THS ist der Derbysieger
Am 19. Spieltag der Kreisliga A Iserlohn kam es im Stadion am Bührenbruch zum Schwerter Derby zwischen den Gastgebern von Eintracht Ergste und dem TuS Holzen-Sommerberg. Ergste, verstärkt durch die Neuzugänge Christoph Ferenc (auf der Ergster Kreidetafelaufstellung „Ferens“ genannt), Nils Makolla und Marc Vollmer, aber ohne den gesperrten Neuzugang Nico Städtler, wollten unbedingt den Derbysieg mit dem ambitionierten Ex-Holzen-Coach Ralf Günther an der Linie erlangen. Auch die Ex-Holzener Björn Ludwig, Giuseppe Farruggio und Aladin Zafer standen in der Anfangsformation.
Auf Holzener Seite fehlte der rot gesperrte Willi Überacker. Die Neuzugänge Jasper Möllmann (SpVg Holzwickede), Marc Nebgen (SV Geisecke) und Björn Hertelt (EtuS/DJK Schwerte) wirkten für den TuS mit.
Nach einer ausgeglichenen ersten halben Stunde kamen die Gäste besser ins Spiel, krönten aber erst nach Wiederanpfiff ihr taktisch cleveres Spiel nach einer Sedlag-Hereingabe durch Hertelt zum 1-0. Nach gut einer halben Stunde brachte der fahrig leitende Schiedsrichter mit einer mehr als zweifelhaften Rückpassentscheidung den Gastgeber wieder ins Spiel. Zur Krönung bekam Holzens Torwart Steckel noch vollkommen entgegen der Regel wegen der Aufnahme des angeblichen Rückpasses die gelbe Karte. Die Ergster scheiterten zunächst in der Mauer, aber die anschließende Flanke verwandelte Zafer dann aus abseitsverdächtiger Position zum Ausgleich.
Danach drückte Ergste, beflügelt von der gelb-roten Karte gegen Seelbach. Als man schon auf beiden Seiten halbwegs zufrieden mit dem Remis war, setzte Sedlag in Unterzahl am gegnerischen Strafraum nach, bediente „Coke“ Nebgen und der verwandelte im 2. Anlauf zum nicht unverdienten Derbysieg für Holzen. Farruggios gelb-rote Karte in der Nachspielzeit fiel nicht mehr ins Gewicht.
Die beiden Könige Otto I.
Gut 11 Mio. Griechen bevölkern die im Südosten Europas gelegene Hellenische Republik, die auf eine glorreiche Geschichte seines Volkes zurückblicken kann. So stammt z.B. die Idee der Demokratie vom Olymp und auch in Sachen Natur- und Geisteswissenschaften gehen wichtige Erfahrungen auf Griechen wie Pythagoras, Euklid oder Platon zurück.
Seit dem Beitritt zur EU im Jahre 1981 ging es besonders in Sachen Handel und Tourismus mit Griechenland bergauf. Zu Beginn des Jahres 2010 ist das Land jedoch in einer der schwersten Krisen eines EU-Mitgliedslandes überhaupt. Staatsverschulden, Korruption und Mauscheleien beim Beitritt zur europäischen Währungsunion brachten das Fass zum überlaufen. Ein drohender Staatsbankrott machte es notwendig zeitnah drastische Reformen, die zu Lasten der Bevölkerung gehen, einzuführen. Dies bringt dem Land derzeit eine sehr fragile Gesamtlage.
Der Ausgang für das griechische Fußballteam bei der WM 2010 birgt in dieser Hinsicht sowohl Risiken als auch Chancen. Bei einem guten Abschneiden ist es durchaus möglich, dass ein Schub durch das griechische Volk geht, wobei ein schwaches Abschneiden Gefahren von innenpolitischen Unruhen mit sich bringen könnte.
Ein Tipp für Männer die von ihren Frauen beim Fußball schauen genervt werden, ist auf jeden Fall die östliche der 3 Halbinseln Chalkidikis in Zentralmakedonien. In der autonomen Mönchsrepublik sind weibliche Wesen unerwünscht. Herrliche Aussichten zur WM!
Die Flagge Griechenlands besteht aus 9 horizontalen Streifen in weiß und blau mit einem weißen Kreuz im linken oberen Bereich. 9 Streifen gemäß der 9 Silben des Spruchs des griechischen Befreiungskampfes (übersetzt: Freiheit oder Tod) und das Kreuz zu Ehren der griechischen orthodoxen Kirche. Bleibt noch die Frage, wo die blaue Farbe der Flagge herstammt. Interessanterweise brachte diese König Otto I. aus Bayern in Anlehnung an die bayrische Landesfarbe mit und wurde fortan Bestandteil der Flagge. Und nun soll sein Namensnachfahre König Otto aus Essen die Farben in Ehren halten.
Obwohl die alten Griechen die Olympischen Spiele quasi erfunden haben gehört die Nation nicht zu den ganz Großen im Fußball. Erst in den letzten Jahren stieg man in die Nähe der europäischen Spitze auf. Der Triumph bei der EURO 2004 in Portugal war nahezu ein Fußballwunder. Ein verschworener Haufen, der taktisch perfekt durch Otto Rehhagel, der spätestens ab dann König Otto I. genannt wurde,eingestellt wurde, schaffte es im Endspiel durch ein Tor des jetzigen Nürnberger Bankdrückers, Angelos Charisteas, Gastgeber und Favorit Portugal im Finale zu besiegen. Einige Spieler, wie Georgios Karagounis, Konstantinos Katsouranis (beide Panathinaikos Athen) oder o.g. Angelos Charisteas (1. FC Nürnberg) stehen noch immer im Kader des unverwüstlichen 71-jährigen Fußballverrückten Otto Rehhagel.
Prognose: Die Griechen werden es sehr schwer haben die Gruppenphase zu überstehen. Dass Argentinien als letzter Gruppengegner ansteht könnte ein Vorteil sein, aber in den Spielen zuvor muss man selbst den Grundstein legen. Und da wird es gegen Südkorea und Nigeria meiner Meinung nach nicht reichen. Hoffen wir, dass es, falls es so kommt, im Land ruhig und gefasst aufgenommen wird.
Nigeria – Halbfinale ist Pflicht
Mit ca. 140 Mio. Einwohnern ist Nigeria der acht bevölkerungsreichste Staat der Erde. Der südlich an die Sahara grenzende Norden ist muslimisch geprägt, wobei der durch das Nigerdelta grüne Süden überwiegend von Christen bewohnt wird. Innenpolitisch häufig ein Grund für Streitigkeiten, aber die Super Eagles, die nigerianische Nationalmannschaft, wird leidenschaftlich von allen Bewohnern angefeuert.
Einen großen Anteil am Bruttoinlandsprodukt hat Erdölproduktion, welche aber keinen nachhaltigen Wohlstand für das größte Volk Afrikas brachte. Die Probleme lagen an dem ständigen Wechsel von Militärherrschaften, die Repression und Korruption begünstigten. Immer wieder geraten in Explosionen endenden Anzapfversuche der Öl-Pipelines in den Mittelpunkt. Noch zu Weihnachten 2006 fielen etwa 1.000 Menschen einer Explosion zum Opfer.
Da man zur Unabhängigkeit von der britischen Kolonisation im Jahre 1960 einen Abschied von der Commonwealth-Flagge hin zu einer gänzlich eigenen wollte und zunächst nicht einig war, schrieb man einen Wettbewerb aus.
Durch seine schlichte Kreation eines Dreierbanners mit kräftigem Grün und Weiß im Zentrum konnte damals Michael Akinkunmi 100 Pfund einstreichen und die Annalen der Geschichte seines Landes eingehen. Das Grün steht für die Landwirtschaft, die den Grundfundus des Landes darstellt und Weiß für Frieden und Einheit.
Im Fußball baute man ausschließlich auf erfahrene europäische Trainer wie Jo Bonfrere oder Bora Milutinovic, ab 2005 versuchte man es bei starker Fluktuation, unterbrochen von einer gut einjährigen Amtsperiode des Berti Vogts, auf einheimischen Übungsleiter.
Trotz eines mit Platz 3 ordentlichen Abschneidens beim diesjährigen Afrika-Cup tauschte man Ende Februar noch ein Mal auf dieser Position. Mit dem 61-jährigen Lars Lagerbäck, der lange Zeit mit Schweden erfolgreiche Arbeit ablieferte, entschied sich der teilweise chaotisch geführte nigerianische Verband für einen sehr erfahrenen und disziplinliebenden Coach. Alle im Land erwarten von ihm, dass er die Super Eagles um die Stars John Obi Mikel (FC Chelsea), Aiyegbeni Yakubu, Joseph Yobo (beide FC Everton) und Taye Taiwo (Olympíque Marseille) mindestens ins Halbfinale der WM bringt. Zumal man sich auf dem schwarzen Kontinent durch den Heimvorteil beflügelt sieht.
Prognose: Der Druck auf das Team ist enorm. Lars Lagerbäck kann aber derjenige sein, der die Kräfte bündelt und die Super Eagles durch die Vorrunde bringt. Das Team hat durch die vielen Legionäre einen eigenen Zusammenhalt und Stolz entwickelt, wenn sie für ihr Land auftreten. Aber ohne hoch disziplinierte Auftritte gegen die ebenfalls gut organisiert auftretenden Griechen und Südkoreaner wird man alles andere als eine Garantie für Erfolg haben.
Das Spiel gegen Argentinien könnte ein Festival der Offensivkräfte werden. Wie bei den meisten Teams südlich der Sahara ist die Offensivabteilung die stärkste Waffe und gleichzeitig die größte Gefahr. Insgesamt sehe ich ein enges Rennen um den 2. Platz in der Gruppe hinter Argentinien, wobei Nigeria von den Einzelkönnern her die besten Chancen haben dürfte.
Argentinien – Der größte Superstar ist der Trainer
Die etwa 40 Mio Gauchos, wie die Argentinier genannt werden, bewohnen im Süden Südamerikas den achtgrößten Staat der Erde. Im Jahre 1816 sagte man sich erfolgreich vom spanischen Kolonialreich los.
Die República Argentina ist ein überwiegend römisch-katholisch geprägter Staat, was besonders auf die Einwanderströme zurückzuführen ist. Etwa 2 Drittel der heutigen Bevölkerung stammen aus Spanien und Italien. Aber auch deutsche, britische, polnische und viele weitere europäische Einflüsse sind vorhanden.
Wohl auch daher begründet sich eine gewisse Tradition und eine erfolgreiche Vergangenheit im Fußball. In der Ewigen Tabelle der Fußballweltmeisterschaften rangiert die Albiceleste (die Himmelblau-Weißen) auf Rang 4. Bereits bei der 1. WM 1930 erreichte man das Endspiel, führte zur Halbzeit bereits 2:1, musste sich jedoch noch in Montevideo vor 93.000 Zuschauern Gastgeber Uruguay die Ehre des ersten Titelträgers überlassen. 1978 im eigenen Land und 1986 in Mexiko setzte sich die Mannschaft aber die Krone auf.
Legendäre Spieler wie Daniel Passarella und Mario Kempes, sowie später Diego Maradona, Jorge Burruchaga oder Jorge Valdano erreichten Weltniveau.
Die Flagge Argentiniens besteht aus drei horizontalen Streifen in hellblau, weiß, hellblau. In früheren Zeiten war es nur in Kriegszeiten erlaubt, die Fahne samt der 32-strahligen Inkasonne zu hissen. In Friedenszeiten durfte sie nur ohne diese gezeigt werden. Das Gesicht ist dem eines Schöpfers der Inka-Mythologie nachempfunden. Bei einer Schlacht soll dieses Sonnenbild dem erfolgreichen militärischen Führer erschienen sein. Wie ihm aufgefallen sein soll, dass die Sonne abwechselnd gerade und flammende 32 Strahlen besaß, ist mir allerdings schleierhaft. Vielleicht ist ja die Erfindung von hochwertigen Sonnenbrillen vorausgegangen….
Prognose: Klar, Argentinien ist der Favorit auf das Weiterkommen und auch ein Kandidat zumindest für das Viertelfinale. Das größte Problem sehe ich in der Amtsführung des Nationaltrainers, Diego Armando Maradona. Seit Ende 2008 führt der äußerst exzentrische Nationalheld die Geschicke des Nationalteams und hat seit dem 116 verschiedene Spieler zum Einsatz gebracht. Von Kontinuität und nachvollziehbaren Nominierung konnte bisher nicht die Rede sein. Ob Maradona der Richtige ist um der Mannschaft die nötige Disziplin in einem großen Turnier beizubringen, bezweifle ich. Kommen die Gauchos allerdings ins Laufen, werden sie von ihrem riesigen Potenzial profitieren und alles kann drin sein.
Südkorea – Die fleißige Großmacht
Im Fußball ist Südkorea auf seinem Kontinent seit Jahrzehnten eine Großmacht. Seit 1986 hat man sich stets für die WM qualifiziert und konnte 2002 im Heimspiel unter Trainerfuchs Guus Hiddink einen starken 4. Platz erringen.
Disziplin, Fleiß und absolute Hingabe prägen nicht nur den gemeinen koreanischen Arbeiter, sondern auch den Top-Fußballer. Yi-Sung Park von Manchester United ist wohl der erfolgreichste Spieler dieser Tage. Aber auch Dong-Jin Kim (Zenit St. Petersburg) oder Chung-Yong Lee (Bolton Wanderers) sammeln kräftig internationale Erfahrung. Diese und die Kaltschnäuzigkeit großer Mannschaften lassen die Koreaner jedoch häufig vermissen, wenn es gegen die großen Fußballnationen geht.
Großer Favorit ist Daehan-Minguk allerdings darin, das Team mit den wenigsten unterschiedlichen Nachnamen der WM zu stellen. Fast 50% aller Südkoreaner hört auf die Nachnamen Lee, Kim oder Park. Insgesamt kommen lediglich etwa 250 verschiedene Familiennamen vor, wobei z.B. in Deutschland ca. 20.000 existieren. Härtester Konkurrent in diesem Kampf ist übrigens, wen wundert’s, Nordkorea.
Die Flagge Südkoreas wird T’aeguk genannt und basiert auf einem weißen Untergrund, der die Reinheit der Gedanken symbolisiert und einem Ying-Yang-Zeichen. Der obere Teil ist rot, der untere blau. Damit sollen die Gegensätze des Universums dargestellt werden.
Jeweils in 45°-Ausrichtung zur Mittelachse sind vier Trigramme platziert, die Himmel, Wasser, Feuer und Erde symbolisieren. Im Ostasiatischen Raum üblich, bieten die Zeichen noch eine Fülle von verschiedenen Spielräumen zur Interpretation. Gesetzlich verankert ist in Südkorea ist die Verwendung der Nationalflagge z.B. auf Servietten oder Sitzkissen. Ein Zeichen der Ehrerbietung an ihre Flagge.
Prognose:
Schwer einzuschätzen sind die Chancen von Daehan-Minguk in der Gruppe B. Fest steht für mich: Verliert man das Auftaktspiel gegen Griechenland ist der Zug abgefahren. Denn die wirklich Großen folgen noch. Nigeria auf dem schwarzen Kontinent könnte ein ähnlich harter Brocken werden, wie die Südamerika-Größe Argentinien. Alle Gruppengegner verfügen über Kaderspieler, die fast alle riesige Europa-Erfahrung haben und im Gegensatz zu den Koreanern durchweg in starken Ligen spielen. Hier sehe ich den Nachteil des Teams.
Frankreich – Die Grande Nation
Das westeuropäische Land, dessen Grundfläche seines europäischen Mutterlandes einem Hexagon nahe kommt, bezeichnet sich gerne als die “Grande Nation”. “La France” blickt auf eine lange und bewegte Geschichte, in der der Kolonialismus eine wichtige Rolle spielt. Außerhalb des kontinentalen Teils Frankreichs befinden sich 4 überseeische Départements (Guadeloupe, Matiníque, Französisch Guyana im karibischen Raum und La Réunion vor Madagaskar im indischen Ozean), territoriale Ansprüche vor der Küste Nordamerikas und in der Antarktis, sowie Korsika im Mittelmeer als ein Département mit Sonderstatus.
In Frankreich gab es in der Vergangenheit große Herrscher und Politiker und im Jahre 1789 bei der Französischen Revolution zeigte sich die Macht eines Volkes in bis dato ungeahnter Dimension. In der weiteren Geschichte galt Frankreich, zumindest im eigenen Land, als Vorreiter in Sachen Freiheit und Rechtsstaatlichkeit.
Bereits in den 1930er-Jahren galt Frankreich neben den USA als zweitwichtigstes Einwandererland. Damals waren es noch europäische Immigranten (u.A. aus Italien, Polen, Belgien, Tschechoslowakei), heute ist das Bild der Bevölkerung eher durch Zuzug aus den Übersee-Gebieten und andererseits nach Ende der Herrschaftszeit in Nord- und Westafrika von Immigranten, von dem schwarzen Kontinent geprägt. Die heutige Nationalmannschaft Frankreichs spiegelt dies in noch höherem Maße wieder, als dies in der Bevölkerung der Fall ist.
Die Flagge Frankreichs ist wohl die berühmteste Trikolore der Welt. Bereits 1830 in seinem bis heute berühmten Gemälde “Die Freiheit führt das Volk” zeigte Eugène Delacroix die unzerrütterliche Verbindung zwischen Stärke, Stolz und der “Drapeau Bleu-Blanc-Rouge”. Die Farbe Weiß war die vorrevoltiunäre Flagge des Königs. Ihre Anordnung in der Mitte zwischen Blau und Rot symbolisiert die beschränkte Macht des Königs durch das Volk, welches durch die Stadtfarben von Paris dargestellt wird. Die Flagge ist auch der Namensgeber für die meisten Nationalteams des Landes, so auch der Fußballnationalmannschaft, der “Équipe Tricolore “.
In Frankreich steht die Beliebtheit des Rugby-Sports dem Fußball in nicht allzu viel nach. Nichtsdestotrotz gelang es den Franzosen in den letzten 3 Jahrzehnten legendäre Mannschaften bei großen Turnieren zu stellen. 1984 war es neben Alain Giresse, Marius Trésor und Manuel Amoros besonders der damals mit Diego Maradona zusammen wohl beste Spieler der Welt, Michel Platini.
1998, ebenfalls ein Heimspiel bei der WM, gaben z.B. Thierry Henry, David Trezeguet, Laurent Blanc und Fabien Barthez den Ton an. Kaum verändert gewann man 2000 bei der EM den 2. internationalen Titel hintereinander. Aber Konstanz war im französischen Fußball häufig ein Problem und so blamierte man sich 2002 bei dem torlosen Ausscheiden in der Vorrunde. Die Qualifikation zur WM 2010 gelang erst nach einer wahren Zitterparty in den Playoffs gegen Irland. Der Schiedsrichter übersah in der Verlägerung vor dem entscheidenden 1:1 von Thierry Henry ein klares, vorteilverschaffendes, absichtliches Handspiel.
Prognose: Man steht in Gruppe A dem Gastgeber, Mexiko und Uruguay gegenüber. Frankreich ist trotz der holprigen Qualifikation Favorit in der Gruppe und alles andere als zumindest 7 Punkte wäre eine Enttäuschung. Erfahrung und individuelle Klasse ist vorhanden. Nur ob genügend Zusammenhalt und Siegesgeilheit in der Mannschaft erwachsen können um etwas Größeres in Südafrika zu erreichen, bleibt abzuwarten. Ich habe meine Zweifel daran.
Mexiko – Der Dauerbrenner
Die Estados Unidas Mexicanos, wie Mexiko auf spanisch rangiert mit ca. 109 Mio. Einwohnern auf Rang 11 weltweit. Von der Größe des zu 88% zu Nordamerika gehörenden Staates her, wird die Größe Deutschlands 6 mal übertroffen. 1821 sagte sich das Volk der Mestizen und indigenen Völker endgültig von Spanien los. Heute leben in der Hauptstadt Mexiko City incl. Einzugsgebiet etwa 20 Mio. Menschen. Und das auf durchschnittlich 2300 m über NN.
In den letzten Jahrzehnten wanderten Millionen Mexikaner gen Norden in die USA. Weitenteils illegal. Deswegen und aufgrund des regen Rauschgiftschmuggels gilt die mexikanisch-amerikanische Grenze als eine der bestbewachtesten zwischen nicht diktatorischen Staaten der Erde. Obwohl die mexikanische Wirtschaft die zehntstärkste der Welt ist, ist das Wohlfahrtsgefälle Richtung Norden weiterhin groß. Sportlich gesehen sind die USA der größte Rivale, in den letzten Jahrzehnten besonders im Fußball. In der CONCACAF-Qualifikation qualifizierte man sich direkt, jedoch hinter den US-Boys.
Die Flagge Mexikos ist eine vertikale Trikolore in grün, weiß und rot, die in der Mitte das mexikanische Wappen trägt. Der Legende nach gab ein aztekischer Gott seinem normannischen Volke die Aufgabe, sich dort niederzulassen, wo sich folgendes Szenario abspielt:
Ein Adler verschlingt sitzend auf einem Kaktus eine Schlange. Der Kaktus erwächst aus einem Felsen auf einer Insel inmitten eines Sees. Nach etwa 200-jährigem Herumwandern mit geöffneten Augen geschah das vorhergesagte endlich an der Stelle, wo heute Mexiko City erwächst. Die Farben der Flagge stammen von der Unabhängigkeit von Spanien (grün), der heiligen römisch-katholischen Kirche (weiß) und der Vereinigung der Europäer mit den Amerikanern.
Fußball hat in Mexiko eine große Bedeutung. Die 1943 gegründete Priméra Division ist in Lateinamerika eine der besten Adressen, die auch in Europa begehrten Spielern eine gute Option im Hinblick auf finanzielle und sportliche Ansprüche gibt. So spielen auch heute noch weit über die Hälfte der zum Kader der „El Trí“, wie die Nationalelf genannt wird, gehörenden Spieler der 1. mexikanischen Klasse an.
Das Land war bereits 2 Mal Gastgeber einer Fußball-WM. Im Jahre 1970 bezwang Brasilien mit dem legendären Pelé Italien vor 107.000 Zuschauern im Estádio Aztéca zu Mexiko City Italien mit 4:1. 1986 rückte man recht kurzfristig für die finanziell und organisatorisch schwächelnden Kolumbianer nach.
Selbst blieben die großen Erfolge für El Trí aus, doch kann man mit Stolz behaupten, dass lediglich Deutschland, Italien und Brasilien auf mehr Teilnahmen bei Endturnieren zurückblicken können. In der Ewigen Tabelle belegt Mexiko allerdings nur Rang 15.
Legendäre Spieler, wie Real-Madrid-Torjäger Hugo Sánchez oder Jorge Campos, der freistoßschießende, schillernde Torwart, gaben El Trí ein Gesicht.
Heute gehören Guillermo Franco von West Ham, Rafael Marquéz vom FC Barcelona, Cuauhtémoc Blanco von Chicago Fire oder Carlos Salcído vom PSV Eindhoven zu den bekanntesten Spielern des Teams von Javier Aguirre. Der Trainer machte sich in der Vergangenheit auch in Europa, als Coach von CA Osasuna und Atlético Madrid, einen Namen.
Prognose: El Trí ist ein Kandidat für das Achtelfinale. Wichtig dafür ist das Zusammengehörigkeitsgefühl der Spieler, denn die Mannschaft funktioniert nur im Kollektiv. Die Offensivkräfte Blanco, Franco und Palencia sind in die Jahre gekommen und es bleibt offen, ob sie oder nachstrebende Kräfte wie Pablo Barrera oder Carlos Vela auf internationalem Topniveau für die notwendigen Tore sorgen können.
Uruguay – Team mit viel Tradition
Die Replublica Oriental del Uruguay, wie man im zweitkleinsten Staat Südamerikas auf Landessprache, dem Río-de-la-Plata-Spanisch, sagt, hat etwa 3,4 Mio. Einwohner. Sein Name stammt von einem der großen Flüsse des wasserreichen Landes, dem Río Uruguay. Das bedeutet so viel wie „Fluss des bunten Vogels“.
Die Bevölkerung, die zu 90% in Städten wohnt, stammt hauptsächlich von spanischen und italienischen Einwanderern ab. Uruguay war schon früh ein Sozialstaat europäischer Prägung, aber seit dem Ende der 60er Jahren des letzten Jahrhunderts geht die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander. Die Republik hat mit Arbeitslosigkeit und Abwanderung in Richtung Brasilien und Argentinien zu kämpfen.
Die Flagge Uruguays ist durch die blaue und weiße Grundfarbe, die aus einer ehemaligen Provinz am Río de la Plata stammt, und der Mai-Sonne als lebenswichtiges Element für die Indios, geprägt. Mit 9 horizontalen Streifen entspricht die Flagge der Anzahl der ursprünglichen Provinzen des Landes, das 1828 seine Unabhängigkeit feierte. Im Gegensatz zum großen Bruder Argentinien im Süden, begnügt man sich nördlich des Río de la Plata mit der Hälfte der Sonnenstrahlen, nämlich 16.
Der Fußball ist, wie in fast allen südamerikanischen Ländern, die absolute Nummer 1. Als Gastgeber der 1. Fußballweltmeisterschaft im Jahre 1930 konnte man sich stolzer 1. Weltmeister der Geschichte nennen und konnte überraschend auch 1950 in Brasilien den Titel erringen. Danach überholten die großen Fußballnationen Uruguay endgültig. Dennoch reicht es in der ewigen Tabelle der Weltmeisterschaften noch zu Platz 11.
In der Eleminatoria Sudamericana belegte man in diesem Jahr Platz 5 und musste in den Relegationsspiele Costa Ríca nieder ringen. Spieler wie Diego Forlán (Atlético Madrid), Luis Suárez (Ajax Amsterdam), Maxi Pereira (Benfica Lissabon), Diego Lugano (Fenerbahce Istanbul) oder Martin Cacéres (Juventus Turin) geben schon seit Jahren in der Champions League erfolgreich ihre Visitenkarte ab. Lediglich in Deutschland will so recht keinem der Spieler der Albiceleste, wie die Nationalmannschaft auch genannt wird, der große Durchbruch gelingen.
Prognose: Die Urus stehen der Qualität der Mexikaner in Nichts nach und das direkte Duell dürfte über die Qualifikation zum Achtelfinale entscheiden. Trainer Oscar Washington Tabarez ist ein erfahrener, der schon in Italien, Spanien und Argentinien bewiesen hat, dass er ein Meister seines Faches ist. Das Volk erwartet von ihm das Erreichen der nächsten Runde, wobei man sagen muss, dass die Albiceleste aus Uruguay nicht zwingend zu den stärksten 16 Mannschaften der Welt zählt.
Südafrika – Der Gastgeber
Die Republiek van Suid-Afrika, wie Südafrika in der Landessprache Afrikaans heißt, ist ca. 3,5 mal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Den kolonialen Einfluss aus den Niederlanden (vor allem durch die Buren) und von den britischen Inseln erkennt man noch in weiten Teilen des normalen Lebens, wie z.B. in den Amtssprachen Englisch und Afrikaans, den meisten Städtenamen und der durch und durch christlichen Religion des Volkes.
Die weißen Kolonialisten von einst trugen ihre Rassendiskriminierung bis ins Jahre 1994 durch das System der Verachtung Nichtweißhäutiger, die Apartheid, bis zum endgültigen Ende im Jahre 1994. Dies brachte Südafrika nicht nur politisches, sondern auch sportliches Abseits. Seit den 70er Jahren war es jedem Sportler untersagt an einem Sportevent in Südafrika teilzunehmen. Wer dagegen verstieß, wurde vom Internationalen Olympischen Kommitee suspendiert.
Ein sorgenfreies Leben beschert das Ende des rassistischen Systems dennoch nicht allen. Die Kriminalität, besonders in den Armenvierteln der Großstädte, in den Townships, bekommt die Regierung in Pretoria (Sitz der Exekutive) bzw. Kapstadt (Sitz der Legislative) nur schwerlich in den Griff. Ein Grund dafür liegt auch darin, geeignete und vor allem gesunde Männer für die Sicherheitskräfte zu rekrutieren. Die Auswirkungen sind ungeahnt drastisch: Mehr als jeder Fünfte im sexuell aktiven Alter ist HIV-positiv. Die Lebenserwartung in Südafrika ist von ca. 65 Jahren im Jahr 1990 auf etwa 43 in 2005 gesunken. Gründe hierfür sind schlechte Aufklärung, das niedrige Durchschnittsalter beim ersten Geschlechtsverkehr und die hohe Quote der Frauen, die gegen ihren Willen zum Sex gezwungen werden. So muss das Gastgeberland Polizeikräfte aus Nachbarstaaten rekrutieren um die Aufgaben der WM 2010 zu bewältigen. Im Nachbarland Swasiland braucht man erst gar nicht nachzufragen. Dort liegt die Quote der Infizierten bei ca. 40%. Unvorstellbar!
Die Flagge der Republik Südafrikas hat sich in den vergangenen 130 Jahren mehrfach verändert. Sie war jedoch stets geprägt durch Farben und Symbole der niederländischen oder britischen Kolonialisten. Nach Ende der Apartheid einigte man sich dann im Jahre 1994 auf eine farbenfrohe Flagge, die mittlerweile bei allen Menschen, ungeachtet der Hautfarbe geachtet wird. Ein liegendes grünes “V” geht in einen Strich über, was den Weg zur nationalen Einheit symbolisieren soll. Das Grün steht für die Landwirtschaft, das Rot im oberen Teil symbolisiert das vergossene Blut der Befreiungskämpfe, das Blau im unteren Teil die Ozeane und das links gelegene Schwarz die schwarze Bevölkerung. Die weiße Bevölkerung spiegelt sich in der weißen Umrandung des “Vs” wieder und die gemischte Bevölkerung im Gold.
Sportlich gesehen war Südafrika, wie bereits erwähnt, lange Zeit isoliert und litt auch intern an den Auswirkungen der Apartheid. Mit dessen Ende wurden Sportveranstaltungen wieder international. Am 7.7.1992 in Durban kehrte Südafrikas Fußball-Nationalteam mit einem 1:0-Sieg gegen Kamerun auf die internationale Bühne zurück. Die Bafana Bafana-Boys, wie die Fußballnationalmannschaft genannt wird, konnte bereits im Jahre 1996 mit dem Gewinn der Afrika-Meisterschaft einen großen Erfolg erzielen.
Man qualifizierte sich zwar für die WM 1998 und 2002, aber 6 erreichte Punkte reichen nur für Platz 50 in der ewigen Tabelle der Weltmeisterschaften. Als Gastgeber war man direkt für die Endrunde qualifiziert. Gegen Frankreich ist man im Gruppenspiel der klare Underdog. Abzuwarten bleibt der mögliche Push durch das Gefühl des Stolzes im Heimatland eine WM austragen zu dürfen. Beim Confed Cup 2009 lieferte man sich im Kampf um den 3. Platz gegen Spanien ein packendes Duell und unterlag nur unglücklich 2:3. Zieht eine WM-Begeisterung afrikanischer Ausmaße ein, ist Vieles möglich. Ein Sieg gegen Uruguay und auch im Auftaktspiel gegen Mexiko erwarten die Südafrikaner von ihren Jungs. Scheitert man gegen die generell höher einzustufenden Mexikaner, kann das emotionale Momentum auch nach hinten los gehen.
Prognose: Es geht nach hinten los und man wird sich eine Niederlage gegen Mexiko einfangen. Der Druck im folgenden Spiel wäre dann schon enorm. Es riecht nach dem Ausscheiden in der Vorrunde.
WM 2010
Die Gruppenauslosung zur Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika ist gelaufen. Um etwas mehr über die Teilnehmerländer zu lernen, stelle ich in einer etwas ungewöhnlichen Art und Weise nacheinander alle 32 Nationen dar. Neben einem Blick auf die fußballerische Vergangenheit und Chancen, werfe ich einen Blick auf die Nation. Bevölkerung, Probleme und natürlich Flaggen, die die Städte auf der ganzen Welt zur WM bunt erscheinen lassen werden.