Glasgow Rangers – VfB Stuttgart
Die Möglichkeit zur Rehabilitation für enttäuschende Auftritte in der Bundesliga haben die Schwaben unter Markus Babbel am heutigen Abend im Ibrox Park zu Glasgow.
Der VfB könnte es genießen, nicht unter Druck zu stehen, doch natürlich gibt es auch in Schottland etwas zu verlieren. Auch die Europaliga kann in der Phase, in der ein Dritter der Champions League einsteigt, Ruhm und Geld einbringen. Dennoch ist die Chance des VfB auf das Achtelfinale der Champions League noch durchaus gegeben. Die Konstellation in der Gruppe ist derart, dass sogar im Falle einer Niederlage noch ein Weiterkommen gut möglich wäre. Das Heimspiel gegen Unirea Urziceni wird wohl das entscheidene sein.
Mal abgesehen vom sportlichen Weiterkommen muss sich die Mannschaft an sich mal wieder in die richtige Richtung entwickeln. In der Bundesliga und im Pokal hat man jetzt schon praktisch alle Chancen auf eine internationale Teilnahme im Folgejahr verspielt und die dargebotenen Leistungen erinnern wirklich eher an Abstiegskampf.
Ich erinnere mich an die Saison 2002/2003, als bei Bayer Leverkusen so richtig der Wurm drin steckte und die Mannschaft trotz des vorhandenen Potentials bis zum bitteren Ende in der Bundesliga gegen den Abstieg gekämpft werden musste. International konnte man die 1. Gruppenphase der Champions League noch überstehen, aber in der Zwischenrunde gab es nichts mehr zu holen.
Nach dem 2. Spiel in der Zwischenrunde wurde Klaus Toppmöller entlassen und es ging keinen Schritt voran. Im Gegenteil: Der anticharismatische Medienmuffel Thomas Hörster versuchte vergebens der Mannschaft wieder Leben einzuhauchen. In höchster Not kam Klaus Augenthaler und konnte durch einen Sieg am letzten Spieltag den Abstieg vermeiden.
Ich möchte dem VfB nicht das gleiche Schicksal prophezeihen, aber gewisse Parallelen könnten schon geschehen. Ich finde es gut, dass man in Stuttgart trotz des Sturzfluges bis jetzt an Markus Babbel als Trainer festhält. Er hat ähnlich wie Klaus Toppmöller damals in Leverkusen gute und erfolgreiche Arbeit in der Vorsaison abgeliefert, er verliert nicht den Kopf in dieser Krise und somit hält die sportliche Leitung an ihm fest. Wohl weil sie gesehen haben, dass er sein Fach beherrscht.
Auf den Trainerlehrgang sollte man gar nicht engehen. Der ist mit seinen Anwesenheitszeiten entschärft worden und bei einer Gruppe erwachsener Profis muss nicht immer der “Papa-Wichtig” alles überwachen.
Man muss ganz einfach feststellen, dass die Neuzugänge des VfB Stuttgart nicht eingeschlagen haben. Von Hleb und Pogrebnyak hat man sich viel mehr versprochen. Kuzmanovic scheint langsam angekommen zu sein. Auf der Seite der Abgänge steht mit Mario Gomez der überragende Spieler der letzten Jahre. Aber alle Diskussion ist müßig: man konnte ihn nicht halten. Dazu sind ca. 35 Mio. EUR eine Menge Geld.
Und da setzt auch die Kritik Vieler ein: Man hätte besser reinvestieren sollen. Eine halbkluge Pauschalaussage, wie ich finde. Horst Heldt erklärte es noch vor einigen Wochen, dass man kurz vor Saisonschluss die Chance hatte noch Meister zu werden und sich nicht geringe Chancen auf den Verbleib von Mario Gomez machte. Er entschied sich aber gegen den VfB und dazu kam, dass der Transfermarkt im Sommer überhitzt war.
In Stuttgart hat man mit Horst Heldt einen starken sportlichen Leiter, der auch viel auf seine Schultern lasten muss, wenn der Erfolg ausbleibt. Ein “Schwarzer-Peter-Hin-und-Her-Schieben” wird aber auf dem Spielfeld kurzfristig nicht helfen.
Die schlagbaren Rangers könnten das Sprungbrett zu einer erfolgreicheren Zukunft werden. Oder ein weiterer Tiefschlag. Manchmal entscheiden Kleinigkeiten. Sollten diese sich halbwegs ausgleichen, so wie auch angeblich Glück und Pech, wäre der VfB mal wieder im positiven Sinne fällig. Aus deutscher Sicht kann man es nur hoffen.