Ist Kloppos Stuhl noch sicher?

Da steht die Borussia aus Dortmund nach 7 Spielen auf dem 15. Tabellenplatz und hat erst 1 Mal gewonnen. Was hört man da schon mehr oder weniger unterschwellig? Genau, die Trainerfrage! Ich wäre nie zu diesem Zeitpunkt auf dieses Thema gekommen, aber ich höre tatsächlich die ersten Stimmen, die daran zweifeln, dass Jürgen Klopp die Borussia wieder auf den richtigen Weg bringt.

Stellt sich für mich die Frage, was ist der richtige Weg? Vom sportlichen Abschneiden her kann ein Realist schon jetzt kaum mehr erwarten, dass der BVB noch Platz 5 erreichen kann. 6 Punkte bis zum Platz 5 sind absolut machbar, aber die Teams, die es zu überholen gilt, stellen das Problem dar. Unter den ersten 7 der Tabelle sehe ich lediglich Schalke 04 als ein- und überholbar. Die Gelsenkirchner spielen relativ erfolgreich, aber nicht konstant stark. Das Auftaktprogramm der Schalker war mit Sicherheit deutlich leichter als das der Nachbarn aus Dortmund und man hat sich häufig knapp durchgesetzt ohne wirklich starken Fußball zu bieten. Anerkennung für die Punkteausbeute, aber in Sicherheit in Bezug auf einen internationalen Wettbewerb sollte man sich bei Blau-Weiß nicht wiegen.

Sämtliche anderen Mannschaften haben entweder zum Teil ihr Potenzial noch nicht wie gewünscht ausgeschöpft (Bayern, Wolfsburg) oder spielen starken Fußball mit guter Punkteausbeute (Leverkusen, Hamburg, Hoffenheim, Werder). Über die Saison gesehen sehe ich kaum eine Möglichkeit unter den gegebenen Bedingungen (derzeitiger Kader und finanzielle Rahmenbedingungen) in diese Sphären einzudringen.

So viel mal vollkommen unabhängig vom Trainer zu den Aussichten. Was versprechen sich also die Leute, die eine Trainerdiskussion aufmachen wollen, von einer solchen? Aus meiner Sicht ist Jürgen Klopp schon anzulasten, dass sein Team durchweg keinen guten und effektiven Fußball spielt. Dafür wird ein Trainer immer gerade stehen müssen. Neben wir das Auswärtsspiel in Hannover. Das Spiel war nicht uninteressant, aber es lebte von Unzulänglichkeiten auf beiden Seiten. Ein so fußballerisch gesehen niveauarmes Spiel habe ich selten gesehen. Auch wenn man gewinnen will, tut ein wenig Ruhe und schnelles Umschalten dem Spiel meist gut. Aber nichts da, es wurde ordentlich getrommelt und konzeptlos durcheinander gelaufen. Man lief sich sogar gegenseitig über den Haufen. Ich dachte, darüber sei unter der Woche geredet worden, aber das konnte man gegen Schalke nicht erkennen.

Wenn die Mannschaft wie am Samstag einem Rückstand hinterher laufen muss, fehlt es einfach an dynamischen Flügelspiel. Man zog immer und immer wieder in die Mitte, wo die langen Bordon, Höwedes und Co. artig Danke sagten. Woran liegt das? Patrick Owomoyela trabt seiner Form der Rückrunde gewaltig hinterher, Marcel Schmelzer hat meiner Meinung nach nicht dauerhaft das Potenzial für einen ordentlichen Bundesligaspieler und ein Ausfall von Kuba ist was das Flügelspiel angeht scheinbar nicht zu kompensieren.

In der Mittelfeldraute sind Sahin und Tinga ebenfalls nicht die Flügelflitzer schlechthin. Die Stürmer sind auch keine Zentrumstürmer, die die Flanken im Vorbeigehen wegmachen. Ich sehe ein Mangel in der Zusammensetzung des Kaders. Jürgen Klopp hat im Moment nicht die Möglichkeit das Spielsystem effektiv auszurichten. Die Innenverteidigung wackelt ebenfalls zu häufig. Ich denke, dass man Geduld mit Team und Trainer haben muss. Man erkennt, dass das Team nicht die Konstanz an den Tag legen kann, obwohl sie verhältnismäßig wenig Veränderungen in der Sommerpause erfahren hat. Auch letzte Saison brauchte es seine Zeit. Und als es lief, war Jürgen Klopp der gefeierte Held. Ich bin sicher, dass es auch wieder so kommen wird.

Michael Zorc weiß auch, dass er an der derzeitigen Situation mitschuldig ist. Und auch er wurde über den grünen Klee gelobt, als die Borussia in der Rückrunde aufdrehte. Zorc, Watzke und Klopp haben es zu verantworten, dass potenziellen Flügelspieler wie Lee, Rukavina und allen voran Kringe nicht mehr als Optionen zur Verfügung stehen. Es scheint die Ruhrpott- Mentalität zu sein, die die Einschätzung der sportlichen Lage bei den Anhängern in Rekordgeschwindigkeit von Himmel zu Hölle tendeln lässt. Die Verantwortlichen haben auch Geduld mit Michael Zorc gezeigt und sollten dies auch in der Trainerfrage tun. Und ich bin sicher, dass sie besonnen handeln werden.

Es ist an der Zeit die Spieler zu hinterfragen, ob sie den Ansprüchen und den taktischen Vorgaben des Trainers entsprechen. Jürgen Klopp stellt sich stets lange vor die Spieler. Ich erwarte jetzt auch mal, dass schlechte Leistungen mit Bankplätzen quittiert werden. Auch nach dem Revierderby sollte man sich auf die sportlichen Misstände besinnen und nicht das zweifelhafte Verhalten der Knappen nach Toren oder Spielschluss in den Fokus nehmen. Dies und eine mögliche Trainerdiskussion würden den Spielern Alibis bieten und das kann die Borussia vor dem unheimlich wichtigen Auswärtsspiel in Gladbach auf keinen Fall gebrauchen. Herr Klopp möge sich auf seine Möglichkeiten der Einflussnahme beschränken und auf die Pluspunkte einiger Spieler aus der Rückrunde pfeifen, ohne die Spieler wie heiße Kartoffeln fallen zu lassen. Schöne Grüße an dieser Stelle an Herrn Kringe nach Berlin. Und gute Besserung.

Samstag ab 18.30 Uhr zählt es wieder und nichts Anderes! Man hat einen angeknockten Gegner und muss jetzt einfach mit einem spielerischen Plan den Befreiungsschlag vollbringen. Am Kampf hat es in dieser Saison nicht gelegen.

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