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Glasgow Rangers – VfB Stuttgart
Die Möglichkeit zur Rehabilitation für enttäuschende Auftritte in der Bundesliga haben die Schwaben unter Markus Babbel am heutigen Abend im Ibrox Park zu Glasgow.
Der VfB könnte es genießen, nicht unter Druck zu stehen, doch natürlich gibt es auch in Schottland etwas zu verlieren. Auch die Europaliga kann in der Phase, in der ein Dritter der Champions League einsteigt, Ruhm und Geld einbringen. Dennoch ist die Chance des VfB auf das Achtelfinale der Champions League noch durchaus gegeben. Die Konstellation in der Gruppe ist derart, dass sogar im Falle einer Niederlage noch ein Weiterkommen gut möglich wäre. Das Heimspiel gegen Unirea Urziceni wird wohl das entscheidene sein.
Mal abgesehen vom sportlichen Weiterkommen muss sich die Mannschaft an sich mal wieder in die richtige Richtung entwickeln. In der Bundesliga und im Pokal hat man jetzt schon praktisch alle Chancen auf eine internationale Teilnahme im Folgejahr verspielt und die dargebotenen Leistungen erinnern wirklich eher an Abstiegskampf.
Ich erinnere mich an die Saison 2002/2003, als bei Bayer Leverkusen so richtig der Wurm drin steckte und die Mannschaft trotz des vorhandenen Potentials bis zum bitteren Ende in der Bundesliga gegen den Abstieg gekämpft werden musste. International konnte man die 1. Gruppenphase der Champions League noch überstehen, aber in der Zwischenrunde gab es nichts mehr zu holen.
Nach dem 2. Spiel in der Zwischenrunde wurde Klaus Toppmöller entlassen und es ging keinen Schritt voran. Im Gegenteil: Der anticharismatische Medienmuffel Thomas Hörster versuchte vergebens der Mannschaft wieder Leben einzuhauchen. In höchster Not kam Klaus Augenthaler und konnte durch einen Sieg am letzten Spieltag den Abstieg vermeiden.
Ich möchte dem VfB nicht das gleiche Schicksal prophezeihen, aber gewisse Parallelen könnten schon geschehen. Ich finde es gut, dass man in Stuttgart trotz des Sturzfluges bis jetzt an Markus Babbel als Trainer festhält. Er hat ähnlich wie Klaus Toppmöller damals in Leverkusen gute und erfolgreiche Arbeit in der Vorsaison abgeliefert, er verliert nicht den Kopf in dieser Krise und somit hält die sportliche Leitung an ihm fest. Wohl weil sie gesehen haben, dass er sein Fach beherrscht.
Auf den Trainerlehrgang sollte man gar nicht engehen. Der ist mit seinen Anwesenheitszeiten entschärft worden und bei einer Gruppe erwachsener Profis muss nicht immer der “Papa-Wichtig” alles überwachen.
Man muss ganz einfach feststellen, dass die Neuzugänge des VfB Stuttgart nicht eingeschlagen haben. Von Hleb und Pogrebnyak hat man sich viel mehr versprochen. Kuzmanovic scheint langsam angekommen zu sein. Auf der Seite der Abgänge steht mit Mario Gomez der überragende Spieler der letzten Jahre. Aber alle Diskussion ist müßig: man konnte ihn nicht halten. Dazu sind ca. 35 Mio. EUR eine Menge Geld.
Und da setzt auch die Kritik Vieler ein: Man hätte besser reinvestieren sollen. Eine halbkluge Pauschalaussage, wie ich finde. Horst Heldt erklärte es noch vor einigen Wochen, dass man kurz vor Saisonschluss die Chance hatte noch Meister zu werden und sich nicht geringe Chancen auf den Verbleib von Mario Gomez machte. Er entschied sich aber gegen den VfB und dazu kam, dass der Transfermarkt im Sommer überhitzt war.
In Stuttgart hat man mit Horst Heldt einen starken sportlichen Leiter, der auch viel auf seine Schultern lasten muss, wenn der Erfolg ausbleibt. Ein “Schwarzer-Peter-Hin-und-Her-Schieben” wird aber auf dem Spielfeld kurzfristig nicht helfen.
Die schlagbaren Rangers könnten das Sprungbrett zu einer erfolgreicheren Zukunft werden. Oder ein weiterer Tiefschlag. Manchmal entscheiden Kleinigkeiten. Sollten diese sich halbwegs ausgleichen, so wie auch angeblich Glück und Pech, wäre der VfB mal wieder im positiven Sinne fällig. Aus deutscher Sicht kann man es nur hoffen.
Heiko Herrlich beim VfL Bochum
Neue Besen kehren gut. Das kostet beim Fußball-Stammtisch beim DSF 3 EUR ins Phrasenschwein. Und richtig ist diese Aussage auch nicht immer.
Beim VfL Bochum kehrt Heiko Herrlich noch nicht wie gewünscht im stürmischen Herbst. Alle logisch denkenden Meschen werden die schlechte Leistung des VfL Bochum bei der 2:1-Niederlage in Frankfurt nicht dem neuen Trainer zuschustern.
Dass der VfL ein Qualitätsproblem hat, dürfte unumstritten sein. Einer der Gründe ist sicherlich die finanzielle Ausstattung resultierend aus der geographischen Lage zwischen 2 Fußballriesen mit großer Tradition und Gefolgschaft. Die haben auch ihre finanziellen Nöte, sind aber als Wirtschaftsunternehmen nicht zu vergleichen mit dem kleinen Nachbarn. Der Unterschied in den verkauften Dauerkarten etwa zu Borussia Dortmund beträgt ca. 42.000! Mit dem kolportierten Fremdkapitalstand des FC Schalke 04 könnte der VfL bei dem derzeitigen Stand 10 Jahresgesamtetats bestreiten.
Dennoch ist der gemeine VfL-Anhänger aus der Vergangenheit verwöhnt, als Klaus Toppmöller und Peter Neururer eine überschaubare Zeit lang das Optimum aus dem damaligen Kader herausquetschten. Wenn man aber realistisch ist, sind die Zeiten in der Bundesliga vorbei, wo der SC Freiburg Dritter oder der VfL Bochum Fünfter werden kann. Dazu sind die wirtschaftlichen Verhältnisse in zu deutlicher Scherenform auseinander gegangen. Z.T. auch durch neureiche Emporkömmlinge wie Hoffenheim.
In Bochum haben sich vorallem die Fans irgendwann darauf eingeschossen, den jahrelang solide arbeitenden Marcel Koller herauszuekeln. Das Management des VfL knickte dann vor Wochen ein und eierte so ein wenig mit Frank Heinemann als Interims-oder-auch-doch-nicht-Interims-Trainer durch die Gegend. Intimkenner Heinemann versuchte sein Bestes und stoß verständlicherweise auch an die Grenzen, die das sportliche Potenzial des VfL sich selbst setzt. Ob er jetzt eine Dauerlösung werden könne oder nicht blieb lange offen und nun kam die Entscheidung pro Heiko Herrlich.
Kein Frank Pagelsdorf, Mirko Slomka, Auslaufmodell Jörg Berger oder wie die erfahrenen, derzeit arbeitslosen Trainer so alle heißen. Was richtig ist, weiß man natürlich erst hinterher (das wären auch 3 EUR ins berühmte Schwein), aber es scheint eine bewusste Entscheidung der VfL-Oberen für einen jungen Trainer, der das Spielerdasein noch gut kennt und auch die Mentalität der aktuellen Generation.
Selbst war Heiko Herrlich ein Kämpfer, der auch schon den bisher größten Kampf seines Lebens, nach einer Hirntumorerkrankung, gewonnen hat. Herrlich ist ein emotionaler, intelligenter und gläubiger Mensch, dem man allerdings attestieren muss, auf der großen Vereinsbühne über keinerlei Erfahrung zu verfügen.
Seine guten Zeiten als Spieler hatte bei Vereinen im Westen, die nicht gerade zu den größten Freunden des VfL Bochum zählen (Mönchengladbach, Leverkusen und besonders Dortmund). Ich bin sehr gespannt, ob er so fair und unbefangen in Bochum aufgenommen wird, wie er das verdient hat.
Wenn man die ersten Tag seines Schaffens an der Castroper Straße unter die Lupe nimmt, stellt man fest, dass er 7 Trainingseinheiten bis zum Spiel in Frankfurt hatte. Gefallen hat mir, dass er sich an kleinen, aber wichtigen Dingen stößt. Stanislav Sestak bekam verbal einen drüber, da er ohne Schienbeinschoner trainierte, getroffen wurde und daher unnötigerweise die Fortführung des Trainings behinderte. Richtig so, wenn manche Fußballer schon solche Mimosen sind, dann sollen sie wenigstens Vorkehrungen treffen.
Ein anderer Streitpunkt war die mangelnde Kommunikation im Trainingsspiel untereinander. Wer keine kurzen, präzisen Kommandos auf dem Platz gibt oder geben kann, hat Nachteile gegenüber dem Gegner. Dinge aus dem realen Leben eines Fußballers, die auch erkennen lassen, dass Heiko Herrlich hungrig nach Verbesserungspotenzial ist. Gute Voraussetzungen schon mal.
Dann ein Kurztrainingslager ab Donnerstag in Neu-Isenburg. Da soll viel gesprochen und korrigiert worden sein. Am Sonntag beim Spiel in Frankfurt sah man allerdings davon herzlich wenig. Grote und Epallé ersetzten Azaouagh und Freier auf den Außenbahnen und Dedic Klimowicz im Sturm.
Das Ergebnis war ernüchternd. Absolut verdient und ohne eigenen Treffer (Franz traf zum Ausgleich ins eigene Tor) verlor man 2:1 in Frankfurt. Vom Ergebnis her kein Beinbruch, aber wenn man auf einen “Neue-Besen-kehren-gut-Effekt” gehofft hatte, ist dieser in Frankfurt quasi zu Grabe getragen worden. Es war nicht Herrlichs Plan so aufzutreten. Und es stimmt bedenklich, zumal Frankfurt zwar ein ordentliches Spiel hinlegte, aber auch nicht zum oberen Drittel gehört.
Eine einzige Torchance (Klimowiczs verunglückter Kopfball in der 75.) stimmt ebenso bedenkllich wie Onos erneutes Gelb/Rot, diesmal sogar binnen Sekunden nach der Gelben. Dumm sondersgleichen und die Partie war für den VfL gelaufen. Philipp Heerwagen sah beim 1:0 durch Caio nicht gut aus, aber eine Grundsatzdiskussion über ihn zu führen, wäre nicht angebracht.
Am Samstag kommt der SC Freiburg nach Bochum. Der VfL steht dort unter Druck. Ein Heimspiel gegen schlagbare Konkurrenz im Abstiegskampf. Neben Ono schaut auch Christoph Dabrowski gelbgesperrt zu. Einzelne Personalien werden aber nicht die Entscheidung pro oder contra Sieg geben, sondern, dass die Spieler die Leidenschaft des neuen Trainers annehmen und auf den Platz übertragen.
Ist Kloppos Stuhl noch sicher?
Da steht die Borussia aus Dortmund nach 7 Spielen auf dem 15. Tabellenplatz und hat erst 1 Mal gewonnen. Was hört man da schon mehr oder weniger unterschwellig? Genau, die Trainerfrage! Ich wäre nie zu diesem Zeitpunkt auf dieses Thema gekommen, aber ich höre tatsächlich die ersten Stimmen, die daran zweifeln, dass Jürgen Klopp die Borussia wieder auf den richtigen Weg bringt.
Stellt sich für mich die Frage, was ist der richtige Weg? Vom sportlichen Abschneiden her kann ein Realist schon jetzt kaum mehr erwarten, dass der BVB noch Platz 5 erreichen kann. 6 Punkte bis zum Platz 5 sind absolut machbar, aber die Teams, die es zu überholen gilt, stellen das Problem dar. Unter den ersten 7 der Tabelle sehe ich lediglich Schalke 04 als ein- und überholbar. Die Gelsenkirchner spielen relativ erfolgreich, aber nicht konstant stark. Das Auftaktprogramm der Schalker war mit Sicherheit deutlich leichter als das der Nachbarn aus Dortmund und man hat sich häufig knapp durchgesetzt ohne wirklich starken Fußball zu bieten. Anerkennung für die Punkteausbeute, aber in Sicherheit in Bezug auf einen internationalen Wettbewerb sollte man sich bei Blau-Weiß nicht wiegen.
Sämtliche anderen Mannschaften haben entweder zum Teil ihr Potenzial noch nicht wie gewünscht ausgeschöpft (Bayern, Wolfsburg) oder spielen starken Fußball mit guter Punkteausbeute (Leverkusen, Hamburg, Hoffenheim, Werder). Über die Saison gesehen sehe ich kaum eine Möglichkeit unter den gegebenen Bedingungen (derzeitiger Kader und finanzielle Rahmenbedingungen) in diese Sphären einzudringen.
So viel mal vollkommen unabhängig vom Trainer zu den Aussichten. Was versprechen sich also die Leute, die eine Trainerdiskussion aufmachen wollen, von einer solchen? Aus meiner Sicht ist Jürgen Klopp schon anzulasten, dass sein Team durchweg keinen guten und effektiven Fußball spielt. Dafür wird ein Trainer immer gerade stehen müssen. Neben wir das Auswärtsspiel in Hannover. Das Spiel war nicht uninteressant, aber es lebte von Unzulänglichkeiten auf beiden Seiten. Ein so fußballerisch gesehen niveauarmes Spiel habe ich selten gesehen. Auch wenn man gewinnen will, tut ein wenig Ruhe und schnelles Umschalten dem Spiel meist gut. Aber nichts da, es wurde ordentlich getrommelt und konzeptlos durcheinander gelaufen. Man lief sich sogar gegenseitig über den Haufen. Ich dachte, darüber sei unter der Woche geredet worden, aber das konnte man gegen Schalke nicht erkennen.
Wenn die Mannschaft wie am Samstag einem Rückstand hinterher laufen muss, fehlt es einfach an dynamischen Flügelspiel. Man zog immer und immer wieder in die Mitte, wo die langen Bordon, Höwedes und Co. artig Danke sagten. Woran liegt das? Patrick Owomoyela trabt seiner Form der Rückrunde gewaltig hinterher, Marcel Schmelzer hat meiner Meinung nach nicht dauerhaft das Potenzial für einen ordentlichen Bundesligaspieler und ein Ausfall von Kuba ist was das Flügelspiel angeht scheinbar nicht zu kompensieren.
In der Mittelfeldraute sind Sahin und Tinga ebenfalls nicht die Flügelflitzer schlechthin. Die Stürmer sind auch keine Zentrumstürmer, die die Flanken im Vorbeigehen wegmachen. Ich sehe ein Mangel in der Zusammensetzung des Kaders. Jürgen Klopp hat im Moment nicht die Möglichkeit das Spielsystem effektiv auszurichten. Die Innenverteidigung wackelt ebenfalls zu häufig. Ich denke, dass man Geduld mit Team und Trainer haben muss. Man erkennt, dass das Team nicht die Konstanz an den Tag legen kann, obwohl sie verhältnismäßig wenig Veränderungen in der Sommerpause erfahren hat. Auch letzte Saison brauchte es seine Zeit. Und als es lief, war Jürgen Klopp der gefeierte Held. Ich bin sicher, dass es auch wieder so kommen wird.
Michael Zorc weiß auch, dass er an der derzeitigen Situation mitschuldig ist. Und auch er wurde über den grünen Klee gelobt, als die Borussia in der Rückrunde aufdrehte. Zorc, Watzke und Klopp haben es zu verantworten, dass potenziellen Flügelspieler wie Lee, Rukavina und allen voran Kringe nicht mehr als Optionen zur Verfügung stehen. Es scheint die Ruhrpott- Mentalität zu sein, die die Einschätzung der sportlichen Lage bei den Anhängern in Rekordgeschwindigkeit von Himmel zu Hölle tendeln lässt. Die Verantwortlichen haben auch Geduld mit Michael Zorc gezeigt und sollten dies auch in der Trainerfrage tun. Und ich bin sicher, dass sie besonnen handeln werden.
Es ist an der Zeit die Spieler zu hinterfragen, ob sie den Ansprüchen und den taktischen Vorgaben des Trainers entsprechen. Jürgen Klopp stellt sich stets lange vor die Spieler. Ich erwarte jetzt auch mal, dass schlechte Leistungen mit Bankplätzen quittiert werden. Auch nach dem Revierderby sollte man sich auf die sportlichen Misstände besinnen und nicht das zweifelhafte Verhalten der Knappen nach Toren oder Spielschluss in den Fokus nehmen. Dies und eine mögliche Trainerdiskussion würden den Spielern Alibis bieten und das kann die Borussia vor dem unheimlich wichtigen Auswärtsspiel in Gladbach auf keinen Fall gebrauchen. Herr Klopp möge sich auf seine Möglichkeiten der Einflussnahme beschränken und auf die Pluspunkte einiger Spieler aus der Rückrunde pfeifen, ohne die Spieler wie heiße Kartoffeln fallen zu lassen. Schöne Grüße an dieser Stelle an Herrn Kringe nach Berlin. Und gute Besserung.
Samstag ab 18.30 Uhr zählt es wieder und nichts Anderes! Man hat einen angeknockten Gegner und muss jetzt einfach mit einem spielerischen Plan den Befreiungsschlag vollbringen. Am Kampf hat es in dieser Saison nicht gelegen.
Die Trainerschuld-Frage
Es ist mal wieder so weit, das Trainerkarussell nimmt wieder Fahrt auf. Der VfL Bochum trennt sich von Marcel Koller, Alemannia Aachen hat bereits seinen Landsmann Jürgen Seeberger unter der Woche an die Sonne getan, RW Ahlen zog mit der Entlassung von Trainer Stefan Emmerling und Manager Stefan Grädler nach dem mutlosen Auftritt am Samstag gegen die Fortuna aus Düsseldorf die Konsequenzen aus der bedrohlichen Situation. Dieter Hecking (Hannover 96) und Jörn Andersen (FSV Mainz 05) haben in der 1. Bundesliga bereits ihren Stuhl geräumt.
Es lohnt sich ein Blick auf die Hintergründe. Ich denke, dass Kollers Ende mit der “Zdebel-Affäre” im Winter begann. Thomas Zdebel (jetzt Bayer Leverkusen) war und ist in Bochum bei den Fans und in der Mannschaft ein höchst geachteter Mensch. Seine lange Vereinszugehörigkeit, sein smartes Auftreten in der Öffentlichkeit und sein unbändiger Kampfeswille sind die Gründe hierfür. Offensichtlich hat er aber auch schauspielerisches Talent und übte sich im Nachahmen seines Trainers. Es flog auf, Koller sah seine Autorität angekratzt und Zdebel spielte fortan in Leverkusen, was die Fans mehrfach dazu veranlasste, ihre Ehrerbietung gegenüber Thomas Zdebel öffentlich zu zeigen. Diese Vorfälle haben den Trainer Koller zweifelsohne nicht gestärkt.
In die Saison 2009 / 2010 geht der VfL laut “kicker” mit einem Personaletat von ca. 17 Mio. EUR. Geringfügig weniger dürften nur 3 Vereine in der Bundesliga (Nürnberg, Mainz und Freiburg) ausgeben. Die Einnahmenseite ist durch die lediglich ca. 8.000 verkauften Dauerkarten sogar massiv schlechter als die z.B. der Nürnberger. Was erwartet man eigentlich von der Mannschaft und dem Trainerteam ist für mich die Frage.
Sportlich gesehen konnte man zunächst gegen Borussia Mönchengladbach einen 3-0-Rückstand aufholen und zumindest einen Punkt im Revierpower- Stadion behalten. In der Halbzeit wurde allerdings schon von den Rängen der Kopf des Tariners gefordert. Ich freue mich ja immer, wenn die, die in der Halbzeit noch gebölkt haben, was das Zeug hält, nachher so tun müssen, als ob sie nie gemeckert hätten!
Im 2. Heimspiel schlug man eine zugegebenermaßen schwache Hertha aus Berlin mit 1:0. Bei den Auswärtsauftritten war man weder in Hoffenheim, noch in Leverkusen oder auf Schalke Favorit. Kein Punkt. Nicht so schön. Aber ist es nicht auch irgendwo im Bereich des Normalen? Die Auftritte waren nicht durchweg blutleer, aber auch wahrlich nicht begeisternd. Stellt sich nun die Frage, ob man gut daran tut, nach 6 Spieltagen einen ganz entscheidenden Baustein im mühsam unter finanziellen Zwängen zusammengestellten Mosaik einfach austauscht! Ist das der richtige Zeitpunkt? “Hätten wir mit Koller bis zum Winter weiter gemacht, bräuchten wir den Trainer nicht mehr wechseln, dann wären wir schon sicher weg vom Fenster,” hörte ich am Sonntag Abend. Alles hypothetisch und absolut subjektiv gefärbt! Anspruch und Wirklichkeit sind hier nicht kongruent. Klar, Kollers etwas ruhigere Art nutzt sich vielleicht irgendwann ab und er hat auch eine unpopuläre Maßnahme (Zdebels Absetzung) durchgezogen, aber mitten in der Saison einen Schnitt zu ziehen, obwohl das Kind noch lange nicht in den Brunnen zu stürzen droht, ist ein riskanter Schritt. Gut, Frank “Fanny” Heinemann kennt alles in Bochum und passt bestimmt auch zu dem Team, aber nachhaltig wird auch er es nicht schaffen, dass der VfL Bochum aus dem viertniedrigsten Personaletat deutlich mehr als Platz 13 herauszuquetscht. Irgendwann ist er auch nicht mehr der Richtige und man glaubt an den nächsten Messias. Dass man den Spielern ein massives Alibi mit der Trainerentlassung gegeben hat, ist ja ganz klar. Dabei tragen sie am meisten zum sportlichen Erfolg oder Misserfolg bei.
Vieles deutete nach dem Spiel gegen den FSV Mainz 05 schon auf eine Ablösung hin (der Höhepunkt war dabei die versehentliche Veröffentlichung des Berichtes zur Beurlaubung des Trainer vor dessen eigentlicher Demission), aber dass ich Fans sehe, die sich vor Glück umarmen aufgrund dieser Nachricht, ist mir einfach ein Rätsel. Der VfL ist etabliert im Fußballoberhaus und das bei diesen traditionsreichen sportlichen Nachbarn und der schon seit Jahrzehnten ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse (der Bergbau, Opel oder Nokia als gute Beispiele) und dennoch scheinen Einige die Bodenhaftung zu verlieren. Ich meine damit noch nicht mal Thomas Ernst und Werner Altegoer in der übergeordneten Verantwortung, sondern dieses Mal die Basis. Quo vadis VfL?
Ich bin sehr gespannt wie sich die Situationen um die Trainer in Berlin, Köln und Stuttgart entwickeln, wenn die Pokalwoche um ist und der 1.FC Köln Bayer Leverkusen unterliegt und die anderen genannten in ihren Auswärtsspielen vielleicht mal glücklos bleiben. Lucien Favre und Markus Babbel haben mit Sicherheit noch ein gewisses Polster aus erbrachten Leistungen im Vorjahr. Aber der Anspruch ist bei beiden Vereinen doch, jeweils etwa 10 Plätze besser zu stehen, als derzeit. In Berlin ist es aus meiner Sicht einen Potential-Problem. Andrej Voronin, Marko Pantelic und Josip Simunic waren de facto wichtige Faktoren im vergangen Jahr. Die sind weg und man musste teilweise auf die neuen oder verbliebenen Stützen Gojko Kacar und Raffael, sowie Routinier Arne Friedrich verzichten. Damit ist eine Hertha nun mal nicht mehr häufig Favorit in der Bundesliga. Mir hat die Reaktion in Berlin aber gefallen. Fans, die ihr Team trotz der 0:4- Heimklatsche gegen Freiburg nicht verhöhnten und wo sich der Kapitän hinstellt und sich sehr glaubhaft für eine persönliche und mannschaftliche Fehlleistung entschuldigt. Endlich sind wir wieder bei dem Knackpunkt: Die Umsetzung des Erarbeiteten auf dem Rasen. Ich sage einfach mal, dass kein Trainer der Welt eine Mannschaft so schlecht coachen könnte, dass so ein peinliches Resultat, wie am Sonntag in Berlin dabei herauskommt! Das schafft man nicht alleine als Trainer.
Der gesamten Liga tut ein wenig Geduld im Umgang mit Spielern und Trainern gut. Es gibt einfach immer Schwankungen und jedes Jahr verfehlen mindestens 50 % der Vereine ihre gesteckten Saisonziele. Die Antwort ist eindeutig: Weil die Prognosen des sportlichen Erfolgs des Wirtschaftsunternehmens im Durchschnitt nicht realistisch sind. Der Schwerpunkt auf eine nachhaltige Entwicklung kommt da häufig zu kurz. Es gibt ja einige Beispiele für langfristige, vertrauensvolle Zusammenarbeit, wie z.B. in Bremen und ich würde mir wünschen, dass weitere folgen, statt in der momentanen Situation durch übereilte Handlungen dem Trainer den Laufpass zu geben. Für die mittel- und langfristige Planung ist das Sportmanagement und das jeweils höchste Gremium in den Vereinen zuständig. Auf dieser Ebene gibt es nicht so viel Fluktuation wie auf der Trainerposition. Ich zweifle an, dass das der richtige Weg ist.
Deutsche Siege zum Auftakt
Deutschland leistete sich im Kampf um Platz 3 in der UEFA-Fünfjahreswertung mit den Italienern zum Auftakt der Champions League keinen Patzer. Der VfL Wolfsburg dominierte von Anfang an gegen ZSKA Moskau und siegte dank dreier Tore von Grafite. Der Mann ist einfach weltklasse! Clever auch, wie er das selten dämliche Zupfen vor dem Elfmeter, den er sicher verwandelte, annahm. Okay, man muss da nicht fallen, aber erwartet man das von einem Top-Profi?! Der FC Bayern München scheint in Thomas Müller einen echten Torjäger hervorgebracht zu haben. 4 Tore in den letzten beiden Spielen, sind eine Ansage. Mit diesem Nachnamen muss man sich nach so einer Serie unweigerlich den Vergleich zu Namensvetter Gerd gefallen lassen. Der Junge sollte besser seine Unbekümmertheit behalten, statt sich von so einem hinkenden Vergleich irritieren zu lassen. Ich finde seine Leistung klasse. Wer hätte das gedacht, dass ein Thomas Müller eine solche Rolle in einem Starensemble spielen könnte?!
Italien, das alle 7 Teilnehmer auf internationaler Ebene in den Gruppenphasen der Champions League und der Euroleague hat, erkämpfte gestern einen nicht unbedingten erwarteten Sieg des AC Mailand bei Olympique Marseille (2:1). Die Milanisti hatten zuletzt in der Meisterschaft nicht überzeugt. Doch mit 36 Jahren bleibt Filippo Inzaghi nicht nur ein etwas schnell fallender, sondern auch ein brandgefährlicher Stürmer.
Juventus Turin ließ zu meiner Überraschung 2 wichtige Punkte gegen Girondins Bordeaux. Aus deutscher Sicht war das vielleicht der Anfang des Angriffs auf Platz 3 der UEFA-Fünfjahreswertung, der der Bundesliga 3 sichere und 1 Qualiplatz für die Champions League in der Saison 2010 / 2011 für die folgende bringen würde. Der Auftakt ist geglückt und bzgl. der Spiele am Mittwoch und Donnerstag des VfB Stuttgart, Hamburger SV und SV Werder Bremen bin ich positiv gestimmt. Tja, ob Hertha BSC Berlin trotz der derzeitigen Verfassung und Personalsorgen gegen den FK Ventspils so souverän gewinnt, bezweifel ich ein wenig. Wenn ich die Wettquote bei bwin.com sehe (1,25 auf Sieg Hertha), würde ich eher die Finger davon lassen. Ich werde heute mein Geld auf Olympique Lyon gegen den AC Florenz, den VfB Stuttgart gegen die Glasgow Rangers und den FC Sevilla gegen Unirea Urziceni setzen. Gestern hat mir Bordeaux einen Strich durch die Rechnung gemacht.