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Archiv für die Kategorie „Bundesliga“

Heiko Herrlich beim VfL Bochum

Neue Besen kehren gut. Das kostet beim Fußball-Stammtisch beim DSF 3 EUR ins Phrasenschwein. Und richtig ist diese Aussage auch nicht immer.

 

Beim VfL Bochum kehrt Heiko Herrlich noch nicht wie gewünscht im stürmischen Herbst. Alle logisch denkenden Meschen werden die schlechte Leistung des VfL Bochum bei der 2:1-Niederlage in Frankfurt nicht dem neuen Trainer zuschustern.

 

Dass der VfL ein Qualitätsproblem hat, dürfte unumstritten sein. Einer der Gründe ist sicherlich die finanzielle Ausstattung resultierend aus der geographischen Lage zwischen 2 Fußballriesen mit großer Tradition und Gefolgschaft. Die haben auch ihre finanziellen Nöte, sind aber als Wirtschaftsunternehmen nicht zu vergleichen mit dem kleinen Nachbarn. Der Unterschied in den verkauften Dauerkarten etwa zu Borussia Dortmund beträgt ca. 42.000! Mit dem kolportierten Fremdkapitalstand des FC Schalke 04 könnte der VfL bei dem derzeitigen Stand 10 Jahresgesamtetats bestreiten.

 

Dennoch ist der gemeine VfL-Anhänger aus der Vergangenheit verwöhnt, als Klaus Toppmöller und Peter Neururer eine überschaubare Zeit lang das Optimum aus dem damaligen Kader herausquetschten. Wenn man aber realistisch ist, sind die Zeiten in der Bundesliga vorbei, wo der SC Freiburg Dritter oder der VfL Bochum Fünfter werden kann. Dazu sind die wirtschaftlichen Verhältnisse in zu deutlicher Scherenform auseinander gegangen. Z.T. auch durch neureiche Emporkömmlinge wie Hoffenheim.

 

In Bochum haben sich vorallem die Fans irgendwann darauf eingeschossen, den jahrelang solide arbeitenden Marcel Koller herauszuekeln. Das Management des VfL knickte dann vor Wochen ein und eierte so ein wenig mit Frank Heinemann als Interims-oder-auch-doch-nicht-Interims-Trainer durch die Gegend. Intimkenner Heinemann versuchte sein Bestes und stoß verständlicherweise auch an die Grenzen, die das sportliche Potenzial des VfL sich selbst setzt. Ob er jetzt eine Dauerlösung werden könne oder nicht blieb lange offen und nun kam die Entscheidung pro Heiko Herrlich.

 

Kein Frank Pagelsdorf, Mirko Slomka, Auslaufmodell Jörg Berger oder wie die erfahrenen, derzeit arbeitslosen Trainer so alle heißen. Was richtig ist, weiß man natürlich erst hinterher (das wären auch 3 EUR ins berühmte Schwein), aber es scheint eine bewusste Entscheidung der VfL-Oberen für einen jungen Trainer, der das Spielerdasein noch gut kennt und auch die Mentalität der aktuellen Generation.

 

Selbst war Heiko Herrlich ein Kämpfer, der auch schon den bisher größten Kampf seines Lebens, nach einer Hirntumorerkrankung, gewonnen hat. Herrlich ist ein emotionaler, intelligenter und gläubiger Mensch, dem man allerdings attestieren muss, auf der großen Vereinsbühne über keinerlei Erfahrung zu verfügen.

 

Seine guten Zeiten als Spieler hatte bei Vereinen im Westen, die nicht gerade zu den größten Freunden des VfL Bochum zählen (Mönchengladbach, Leverkusen und besonders Dortmund). Ich bin sehr gespannt, ob er so fair und unbefangen in Bochum aufgenommen wird, wie er das verdient hat.

 

Wenn man die ersten Tag seines Schaffens an der Castroper Straße unter die Lupe nimmt, stellt man fest, dass er 7 Trainingseinheiten bis zum Spiel in Frankfurt hatte. Gefallen hat mir, dass er sich an kleinen, aber wichtigen Dingen stößt. Stanislav Sestak bekam verbal einen drüber, da er ohne Schienbeinschoner trainierte, getroffen wurde und daher unnötigerweise die Fortführung des Trainings behinderte. Richtig so, wenn manche Fußballer schon solche Mimosen sind, dann sollen sie wenigstens Vorkehrungen treffen.

 

Ein anderer Streitpunkt war die mangelnde Kommunikation im Trainingsspiel untereinander. Wer keine kurzen, präzisen Kommandos auf dem Platz gibt oder geben kann, hat Nachteile gegenüber dem Gegner. Dinge aus dem realen Leben eines Fußballers, die auch erkennen lassen, dass Heiko Herrlich hungrig nach Verbesserungspotenzial ist. Gute Voraussetzungen schon mal.

 

Dann ein Kurztrainingslager ab Donnerstag in Neu-Isenburg. Da soll viel gesprochen und korrigiert worden sein. Am Sonntag beim Spiel in Frankfurt sah man allerdings davon herzlich wenig. Grote und Epallé ersetzten Azaouagh und Freier auf den Außenbahnen und Dedic Klimowicz im Sturm.

 

Das Ergebnis war ernüchternd. Absolut verdient und ohne eigenen Treffer (Franz traf zum Ausgleich ins eigene Tor) verlor man 2:1 in Frankfurt. Vom Ergebnis her kein Beinbruch, aber wenn man auf einen “Neue-Besen-kehren-gut-Effekt” gehofft hatte, ist dieser in Frankfurt quasi zu Grabe getragen worden. Es war nicht Herrlichs Plan so aufzutreten. Und es stimmt bedenklich, zumal Frankfurt zwar ein ordentliches Spiel hinlegte, aber auch nicht zum oberen Drittel gehört.

 

Eine einzige Torchance (Klimowiczs verunglückter Kopfball in der 75.) stimmt ebenso bedenkllich wie Onos erneutes Gelb/Rot, diesmal sogar binnen Sekunden nach der Gelben. Dumm sondersgleichen und die Partie war für den VfL gelaufen. Philipp Heerwagen sah beim 1:0 durch Caio nicht gut aus, aber eine Grundsatzdiskussion über ihn zu führen, wäre nicht angebracht.

 

Am Samstag kommt der SC Freiburg nach Bochum. Der VfL steht dort unter Druck. Ein Heimspiel gegen schlagbare Konkurrenz im Abstiegskampf. Neben Ono schaut auch Christoph Dabrowski gelbgesperrt zu. Einzelne Personalien werden aber nicht die Entscheidung pro oder contra Sieg geben, sondern, dass die Spieler die Leidenschaft des neuen Trainers annehmen und auf den Platz übertragen.

Vorbericht Borussia Dortmund – VfL Bochum

Am Sonntag um 17.30 steigt das kleine Revier-Derby. Ich verspreche mir keinen Leckerbissen. Dortmunds bis dato noch stotternde Kreativzentrale ist in persona Tamas Hajnals bis zum Winter mattgelegt. Ob endlich mal Markus Feulner seine Chance bekommt oder der Hardcore-BVB-Fan Kevin Großkreutz das Zepter schwingen soll oder vielleicht ist doch der bisher auf außen in der Raute überzeugende Nuri Sahin, eine Option? Im Sturm hat Jürgen Klopp auch wieder die Qual der Wahl der Mittelmäßigkeit. Sebastian Kehl und Tinga werden nicht mitwirken können.

Der blau-weiße Nachbar muss schweren Herzens wohl auf Stanislav Sestak wegen eines Mittelhandbruchs verzichten. Das wiegt schwer, zumal gerade, wenn der VfL nicht das Spiel machen muss, er besonders auf die Qualitäten des Slowaken setzt. Shinji Ono fehlt gelb-rot gesperrt und der Kanadier Daniel Imhof hat sich 3 Wirbel angebrochen. Mit Fanny Heinemann an der Linie lässt sich beim VfL ein Aufwärtstrend erkennen und der BVB ist einfach nicht gefestigt.

Daher mein Tipp: 1:1

Vorbericht Werder Bremen – 1899 Hoffenheim

Letzte Saison war dieses Spiel ein echtes Fußball-Feuerwerk. 5:4 gewann Werder. Die Torschützen damals waren 9 verschiedene. Nur Diego ist nicht mehr mit dabei und beide Teams sind gut drauf. Die Zeichen stehen auf grün für ein Fußballfest.

Die 99er können mit den Ausfällen von Tobias Weiß (Knie) und Kapitän Roland Nilsson (Handbruch) deutlich besser leben, als mit einem eventuellen Ausfall von Josip Simunic, der sich scheinbar bei seinem freitagabendlichen Discobesuch, der ihn wohl auch die Nationalmannschaftskarriere kosten wird, eine Wadenverletzung eingefangen hat. Auf Werders Seite musste Almeidas Blinddarm raus und Hugo kann nicht spielen und auch Tim Borowski zwickt der Rücken. Es könnte packend werden.

Mein Tipp: 3:2

Vorbericht 1. FC Nürnberg – Hertha BSC Berlin

Der Angstgipfel schlechthin steigt am Samstag in Nürnberg im easycredit-Stadion. Man hatte sich nach dem Aufstieg mehr erhofft. Aber anscheinend ist ein Aufstieg für den Club nichts Besonderes mehr, denn eine Aufstiegseuphorie ist gänzlich ausgebleiben. Vielleicht gibt Marek Mintal den entscheidenen Push. Der Slowake konnte am Mittwoch durch den 1-0 Sieg im Schnee zu Chorzow (Polen) die viel umjubelte 1. WM-Teilnahme mit seinen Jungs feiern. Hoffentlich wurde es nicht zu feucht-fröhlich.

Der Absteiger der Saison, Hertha BSC kann sich glücklich schätzen, dass der Rückhalt im Tor, Jaroslav Drobny, gerade rechtzeitig nach einer Daumenverletzung wieder fit geworden ist. Denn der nachverpflichtete Timo Ochs ist verletzt und noch mal so 2 spektakuläre Dinger, wie Kollege Burchardt gegen den HSV, wollen sich die Hauptstädter bestimmt nicht noch mal fangen. Dass auch gestandene Leute wie Arne Friedrich Nerven zeigen, hat man ja am Samstag in Moskau gesehen, als er einen eigentlich glasklaren Elfmeter verursachte. Danke noch mal an den Schiri, Massimo “der Mittelfinger” Busacca. Ich erwarte viel Krampf und kein Ende der Herthaner Pechsträhne.

Mein Tipp: 1:0

Vorbericht VfB Stuttgart – FC Schalke 04

Die Gelsenkirchener Vorstädter müssen immer noch auf den schmerzlich vermissten Jermaine Jones verzichten. Auch der Ausfall von Christian Pander wiegt gerade bei Standards schwer. Spielen wird beim Gast wahrscheinlich Marcelo Bordon, trotz Augenverletzung.

Der VfB muss auf Matthieu Delpierre und Martin Lanig nach OPs verzichten und Roberto Hilbert hat einen Husten und ist sehr fraglich. Die restlichen Ausfälle wie Bastürk oder Riedle sind belanglos. Wenn es schlecht für den VfB läuft, können sie nach diesem Spieltag auf einem Abstiegsplatz stehen. Die Druckverhältnisse vor dem Spiel sind klar verteilt, zumal die Schalke eine stolze Punkteausbeute haben. Der VfB verfügt aus meiner Sicht aber über mehr Potential. Ich sage voraus, dass der, der das erste Tor schießt, das Spiel nicht mehr verlieren wird.

Mein Tipp: 2:0

Mäßiges Niveau in der Bundesliga

Der Freitag brachte dem FC Schalke 04 einen verdienten, aber glanzlosen 2:0- Heimsieg gegen die biedere Frankfurter Eintracht. Bezeichnend, dass das Schultertor zum vorentscheidenden 1:0 nach einer Standardsituation fiel. In Frankfurt scheint der frische Wind, den Neu-Trainer Michael Skibbe mitgebracht hatte, verebbt. Bei den Gelsenkirchenern stimmen zumindest Stimmung und die Ergebnisse.

Die wohl beste Leistung aller Bundesligisten zeigte Bayer Leverkusen beim 4:0- Spaziergang gegen den überforderten 1. FC Nürnberg. Die Clubberer um die desolaten Mnari und Spiranovic konnten noch froh über den Endstand sein. Bei Bayer hat sich mal wieder Stefan Kießling für die Nationalmannschaft empfohlen. Aber Herrn Löw scheinen konstante Leistungen in einem Topteam im Westen einfach weniger wert zu sein, als wenn ein Spieler aus seinem Ländle mal für Aufsehen sorgt.

So müssen wir am nächsten Samstag im „Endspiel“ in Moskau auf die Münchner Teilzeitarbeiter vom FC Bayern hoffen. Diese konnten sich beim torlosen Remis zu Hause gegen den 1. FC Köln nicht die hochkarätigen Chancen herausspielen, da die Geißböcke gegen Ende den Catenaccio wiedererfunden hatten. Das Fehlen des Arjen Robben kann man in München wohl nicht ausreichend kompensieren.

Ich kann nicht verstehen, wie man in München sich zu einer Investition in Höhe von 35 Mio. EUR entschließt, wenn man für eine zentrale Stürmerposition mit Klose und Toni bereits 2 Hochkaräter im Kader hat. Die Ausgaben für die deutlich flexibleren Olic und Robben scheinen sich mehr auszuzahlen. Und man erkennt dazu die Rückbesinnung auf Spieler aus der eigenen Jugend. Neben den Newcomern Badstuber und Müller standen mit Lahm, Ottl und Schweinsteiger insgesamt 5 Spieler aus dem eigenen Nachwuchsbereich in der Startelf. Am Ende wird Herr van Gaal doch nur am Erfolg gemessen. Bisher erinnert seine Bilanz ziemlich der des Jürgen Klinsmann.

Aufopferungsvoll kämpften die Mainzer 05er die in der 2. Halbzeit gewaltig stürmende TSG Hoffenheim mit 2:1 nieder. Ein bisschen half auch Schiedsrichter Guido Winkmann nach. Beim Stande von 2:0 brachte er das Künststück fertig, aus 8 Metern bei freier Sicht den glasklaren Elfmeter nach Foul von Pekovic an Maicosuel mit deutlichen Zeichen zum Weiterspielen zu quittieren. Ich kann nur hoffen, dass Herr Winkmann die nächsten Wochen Regionalliga pfeifen muss. Das zweite Kopfschütteln erntet Österreichs Nationalcoach Didi Constantini, der den seit Saisonbeginn stark aufspielenden Andreas Ivanschitz nicht für die kommenden Länderspiele einlud. Mann, was müssen die für eine fantastische Truppe haben!

Zeitweise offen wie ein Scheunentor präsentierten sich Gastgeber Hannover 96, aber noch viel mehr der SC Freiburg. Mit 10 Punkten nach 8 Spielen kann man im beschaulichen Breisgau gut leben. Für Trainer Andreas Bergmann von Hannover 96 war der Sieg ganz wichtig nicht jetzt bereits im unruhigen Hannoveraner Umfeld unter Druck zu geraten. Die Höhe des Sieges täuscht auch etwas. Erst spät erzielten sie die Tore Nr. 4 und 5.

Noch enger ging es in Bochum beim Duell gegen den deutschen Meister aus Wolfsburg zu. Die Gastgeber rissen sich wirklich 90 Min. den Allerwertesten auf und hatte bei Martins’ Doppelpfostentreffer riesen Glück. Rätselhaft die Formkrise vom Spieler des Jahres namens Grafite. Ich hätte ihn aufgrund seines Alters und seiner Abgezocktheit für einen Stürmer gehalten, der nicht so schnell in ein Loch fällt.

Gruselig anzuschauen war besonders die 1. Hälfte im Borussen-Duell zwischen den Gladbachern und den Dortmundern. Fußball auf unterem Niveau, Schlafwagentempo, da wo Sprints angesagt gewesen wären und Fehlpässe en masse. Zum Glück für die Schwarz-Gelben zeigte Lucas Barrios seine Knipserqualitäten. Für solche Tore hat man ihn eingekauft und 4 Tore in den gut 8 Wochen seiner Anwesenheit auf dem für ihn neuen Kontinent sind ein Anfang. Freilich erzielte er 3 davon im Pokal, aber der wird bei der einzig realistische Weg zur Erfüllung von europäischen Träumen sein.

Mit dieser spielerischen Leistung muss man sich trotz der wichtigen 3 Punkte in Mönchengladbach Sorgen um den BVB machen. Erstaunlich finde ich die Aussagen von Trainer Jürgen Klopp nach den Spielen. Er redet die Mannschaft aus meiner Sicht deutlich besser, als sie sich tatsächlich präsentiert. Selbstvertrauen beizubehalten ist schön und gut, solange nicht schlechte Leistungen einiger Starkgeredeter zu lange mit durchgezogen werden. Ich kann mir dauerhaft nicht vorstellen, dass ein Sven Bender einen Sebastian Kehl ersetzen kann. Mats Hummels hat mir dort besser gefallen und Felipe Santana hat auch nicht mehr Böcke geschossen als Stammnebenmann Subotic. Markus Feulner war in der letzten Saison einer der überragenden Spieler der 2. Bundesliga. Von einer Krise bei Feulner kann man anhand fehlender Spieleinsätze auch gar nicht sprechen. Ich hoffe auf eine Chance für ihn, zumal er auch zur Not alle 4 Positionen in der Mittelfeldraute spielen könnte.