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Archiv für die Kategorie „Europa League“

Traditionsreiche Duelle

Die klangvollsten Duelle in der Europa League ohne deutsche Beteiligung steigen in Rom, Lissabon und London. In der italienischen Hauptstadt empfängt Gastgeber Lazio die knatschgelben U-Boote aus Villareal. Die ganz großen Zeiten von Lazio sind aber wohl vorbei. Dennoch starte man als leichter Favorit. Überraschend marschiert RB Salzburg vorweg und die beiden Kontrahenten könnten das vorentscheiddende Duell ums Weiterkommen in Gruppe G am Donnerstag vor sich haben.

Einen klangvollen Namen hat die Partie Benfica Lissabon gegen den FC Everton auf jeden Fall. Die Männer aus dem Stadion des Lichts in Lissabon haben eine kaum erreichte Pokalvitrine und die Liverpooler waren noch in den 80er Jahren englischer Meister. Im Moment kaum noch vorstellbar. Die Blauen können nach den Siegen gegen BATE Borisow und AEK Athen ein wenig entspannter an die Partie herangehen. Benfica sollte sich nach der 1:0- Niederlage in Athen nicht mehr viel erlauben, wenn man seinen Ansprüchen in Gruppe I gerecht werden möchte.

Die Mannschaft von Besitzer und Großkaufmann Mohamed Al Fayed, der FC Fulham, empfängt den AS Rom mit Francesco Totti. Das Craven Cottage wird wohl wieder “volle Hütte” melden. Zu recht. Ein wunderschönes, uraltes, typisch englisches Stadion direkt an der Themse. Mit gut 25.000 Zuschauer Kapazität auch nicht zu groß. Als Fußballfan ein echter Tipp für ein London-Wochende. Oder halt am 22.10. Ich erwarte ein enges Spiel. Immer interessant, wenn der italienische auf den britischen Fußballstil trifft. Ausgang völlig offen

FK Austria Wien – SV Werder Bremen

In Gruppe L kann Werder schon mal mit einem Bein in die K.O.-Runde vorstoßen. Aber Obacht! Der HSV kann Werder erzählen, dass Ausflüge in das Land des kleinen Bruders (0:3 bei Rapid Wien) schmerzhaft sein können. Austria und Rapid miteinander zu vergleichen, was die Spielstärke angeht, ist durchaus nicht weit hergeholt. Beide kämpfen um den Anschluss an die Millionarios von RB Salzburg und Austria mit dem Ex-Bielefelder Mamadou Diabang ist derzeit etwas näher dran.

Im kompakten, traditionsreichen Franz-Horr-Stadion wird sich die Austria sicherlich noch mehr reinschmeißen, als wenn es gegen Lustenau gehen würde. Aber unser deutsches Flaggschiff, dass keine tragende Ausfälle zu verkraften hat, wird seine höhere Qualität zu nutzen wissen und auch dank Claudio Pizarro siegen.

Daher mein Tipp: 1:3

Hertha BSC Berlin – SC Heerenveen

Ist der Euro League-Auftriit für die Hertha nun eine willkommene Ablenkung vom dunkelgrauen bis schwarzen Bundesliga-Alltag oder ein weiterer sadomaso-Akt für Spieler, Verantwortliche und Fans?

Wenn man diese Leblosigkeit in Nürnberg gesehen hat, fehlt einem schlichtweg der Glaube an einen gelungenen Auftritt. Andererseits muss ja irgendwann der Knoten platzen. Kringes und Nicus Ausfall können nicht als Ausrede herhalten, der Trainer wurde schon gewechselt und jetzt mal schauen, ob Friedhelm Funkel seinen Ankündigungen, notfalls auszusieben, Taten folgen lässt. Ich glaube nicht daran. Friedhelm Funkel sind die Hände gebunden. Hertha ist ähnlich arm wie Schalke und kann keine Nettoinvestitionen ins Personal verkraften. Und die braucht man, wenn man Einige von der Liste streicht. Denn es macht ja auch nicht viel Sinn, z.B. die Nummern 18 bis 21 aus dem Kader zu streichen.

Bei Vorstellungen wie am Samstag sollte Funkel durchgreifen. Ein offensichtlich unwilliger Gojko Kacar z.B., der zumindest in den Vorwochen noch viel ins Spiel hineinwarf, muss sofort die harte Hand des Trainers zu spüren bekommen.

Wenn man so tief im Schlamassel steckt, darf es keinen Kredit mehr für Spieler geben. Der Gegner dürfte in Deutschland eine untere Mittelfeldrolle in der Bundesliga einnehmen. So viel zur Spielstärke des SC Heerenveen. Entscheidend ist aber, ob es bei den Herthanern “Klick” in der Birne macht. Ich glaube nicht dran.

Daher mein Tipp: 1:2

Celtic Glasgow – Hamburger SV

Der HSV tritt mit den bekannten Personal- und besonders Sturmproblemen in Schottland an. Mladen Petric und Paolo Guerrero fehlen den Hamburgern auf Dauer sehr. Markus Berg hat einfach noch nicht die Reife um eine ausreichende Konstanz an den Tag zu legen. Beim eng gedrängten Terminkalender fehlen die Zeiten für Pausen.

Dennoch: In einem einzigen Spiel kann man Vieles kompensieren. Wenn man gestern den blamablen Auftritt von den Glasgow Rangers gegen Unirea Urziceni gesehen hat (1:4) und weiß, dass die beiden Lokalkonkurrenten sich nicht allzu viel tun, kann man optimistisch sein. Beim letzten Heimspiel spielte man gegen die, zugegebenermaßen sehr konkurrenzfähigen, Rapidler aus Wien 1:1.

Ein Ergebnis mit dem der HSV leben könnte. Ein großer Schritt in Richtung K.O.-Runde wäre allerdings ein Sieg in Glasgow. Schön für den Zuschauer wäre es auf jeden Fall, wenn die Visiere im Gegensatz zu dem langweiligen Heimauftritt gegen Bayer Leverkusen am Samstag ein Stück weit heruntergeklappt werden würden. Ich denke, es wird in der Tat offener. Die schottische Fußballseele wünscht sich diese Art von Schlagabtausch. Und wem schon mal die Ehre zuteil wurde im Celtic Park, oder auch “Paradise” genannt, einem Europapokalspiel seine Aufwartung machen zu dürfen, weiß, was für eine Stimmung unter den gut 60.000 herrschen kann.

Mein Tipp: 2:3

Auftakt der Europa League

Es war kein ein besonders glücklicher Tag der deutschen Vertreter am 17.09. Na gut, wenn man sieht, wann der SV Werder Bremen seinen Siegtreffer bei Nacional Funchal geschossen hat, war es vielleicht doch glücklich. Wie Claudio Pizarro das Tor aber erzielte, zeigte seine ganze Klasse. Schön durchgetankt und unhaltbar aus 18 Metern vollstreckt. Richtig stark! Wahnsinn, dass es Nacional wieder nicht geschafft hat, sein 5.500 Zuschauer fassendes Stadion auf der beschaulichen Fereininsel im Atlantik, zum ersten Mal in dessen Geschichte, als ausverkauft melden zu können.

Wenn ich mir aber da die Trauerkulisse im Berliner Olympiastadion anschaue, ist mir so ein romantisches Stadion schon lieber. Und was die 13.454 Menschen in Berlin zu sehen bekommen haben, war allenfalls Magerkost. Um Hertha BSC Berlin muss man sich wirklich Sorgen machen. Alle Hoffnungen ruhen jetzt auf Gojko Kacar und Raffael. Ersteren werden wir spätestens nächsten Sommer bei einem renomierten europäischen Verein sehen, ist mein Tipp. Er ist der mit Spielverständnis und Technik ausgestattete “Aggressive-Leader” der Berliner. Mir ist er manchmal zu aggressiv, aber in dem Alter war ich auch so…. Okay, nur bei Weitem nicht so talentiert.

Was sich im Ernst-Happel-Stadion abspielte, wollte ich erst gar nicht glauben. Das Endergebnis ist ein Hammer. Und wenn man so konzeptlos gegen nahezu perfekt das Spiel engmachende Wiener anläuft und in der Abwehr solche Unzulänglichkeiten zeigt, darf man sich hinterher nicht beschweren. Nebenbei durfte sich das Team um Ex-Löwen-Trainer Peter Pacult über eine ausverkaufte Hütte freuen. Auch ein Kompliment an den Hamburger SV, was dieser an diesem Abend nicht zurückgeben konnte.

Was war sonst noch? Ein unheimlich hart umkämpftes Spiel mit einem 2:0( 1:0)- Sieg des FC Basel gegen den AS Rom. Nicht die riesen Überraschung für Insider. Das Basler Sturmduo mit Alex Frei / Marco Streller setze sich also gegen das römische Pendant Julio Baptista / Franceso Totti durch.

In Athen gab es für Panathinaikos eine bittere 1:3 (0:1) – Niederlage gegen Galatasaray Istanbul. Ich muss sagen, dass Gala wirklich eine auch auf europäischem Niveau respektable Truppe hat. Die Herren Kewell, Keita und Baros sind nur einige Beispiele für international erfahrende, abgezockte Spieler in Reihen der Türken. Ich habe sie im weiteren Turnierverlauf recht weit oben auf der Rechnung.

Aber der Weg nach Hamburg zum Endspiel ist ein langer. Und wie sagte schon Dettmar Cramer: Am Ende wird abgerechnet. So ist es!