Mäßiges Niveau in der Bundesliga
Der Freitag brachte dem FC Schalke 04 einen verdienten, aber glanzlosen 2:0- Heimsieg gegen die biedere Frankfurter Eintracht. Bezeichnend, dass das Schultertor zum vorentscheidenden 1:0 nach einer Standardsituation fiel. In Frankfurt scheint der frische Wind, den Neu-Trainer Michael Skibbe mitgebracht hatte, verebbt. Bei den Gelsenkirchenern stimmen zumindest Stimmung und die Ergebnisse.
Die wohl beste Leistung aller Bundesligisten zeigte Bayer Leverkusen beim 4:0- Spaziergang gegen den überforderten 1. FC Nürnberg. Die Clubberer um die desolaten Mnari und Spiranovic konnten noch froh über den Endstand sein. Bei Bayer hat sich mal wieder Stefan Kießling für die Nationalmannschaft empfohlen. Aber Herrn Löw scheinen konstante Leistungen in einem Topteam im Westen einfach weniger wert zu sein, als wenn ein Spieler aus seinem Ländle mal für Aufsehen sorgt.
So müssen wir am nächsten Samstag im „Endspiel“ in Moskau auf die Münchner Teilzeitarbeiter vom FC Bayern hoffen. Diese konnten sich beim torlosen Remis zu Hause gegen den 1. FC Köln nicht die hochkarätigen Chancen herausspielen, da die Geißböcke gegen Ende den Catenaccio wiedererfunden hatten. Das Fehlen des Arjen Robben kann man in München wohl nicht ausreichend kompensieren.
Ich kann nicht verstehen, wie man in München sich zu einer Investition in Höhe von 35 Mio. EUR entschließt, wenn man für eine zentrale Stürmerposition mit Klose und Toni bereits 2 Hochkaräter im Kader hat. Die Ausgaben für die deutlich flexibleren Olic und Robben scheinen sich mehr auszuzahlen. Und man erkennt dazu die Rückbesinnung auf Spieler aus der eigenen Jugend. Neben den Newcomern Badstuber und Müller standen mit Lahm, Ottl und Schweinsteiger insgesamt 5 Spieler aus dem eigenen Nachwuchsbereich in der Startelf. Am Ende wird Herr van Gaal doch nur am Erfolg gemessen. Bisher erinnert seine Bilanz ziemlich der des Jürgen Klinsmann.
Aufopferungsvoll kämpften die Mainzer 05er die in der 2. Halbzeit gewaltig stürmende TSG Hoffenheim mit 2:1 nieder. Ein bisschen half auch Schiedsrichter Guido Winkmann nach. Beim Stande von 2:0 brachte er das Künststück fertig, aus 8 Metern bei freier Sicht den glasklaren Elfmeter nach Foul von Pekovic an Maicosuel mit deutlichen Zeichen zum Weiterspielen zu quittieren. Ich kann nur hoffen, dass Herr Winkmann die nächsten Wochen Regionalliga pfeifen muss. Das zweite Kopfschütteln erntet Österreichs Nationalcoach Didi Constantini, der den seit Saisonbeginn stark aufspielenden Andreas Ivanschitz nicht für die kommenden Länderspiele einlud. Mann, was müssen die für eine fantastische Truppe haben!
Zeitweise offen wie ein Scheunentor präsentierten sich Gastgeber Hannover 96, aber noch viel mehr der SC Freiburg. Mit 10 Punkten nach 8 Spielen kann man im beschaulichen Breisgau gut leben. Für Trainer Andreas Bergmann von Hannover 96 war der Sieg ganz wichtig nicht jetzt bereits im unruhigen Hannoveraner Umfeld unter Druck zu geraten. Die Höhe des Sieges täuscht auch etwas. Erst spät erzielten sie die Tore Nr. 4 und 5.
Noch enger ging es in Bochum beim Duell gegen den deutschen Meister aus Wolfsburg zu. Die Gastgeber rissen sich wirklich 90 Min. den Allerwertesten auf und hatte bei Martins’ Doppelpfostentreffer riesen Glück. Rätselhaft die Formkrise vom Spieler des Jahres namens Grafite. Ich hätte ihn aufgrund seines Alters und seiner Abgezocktheit für einen Stürmer gehalten, der nicht so schnell in ein Loch fällt.
Gruselig anzuschauen war besonders die 1. Hälfte im Borussen-Duell zwischen den Gladbachern und den Dortmundern. Fußball auf unterem Niveau, Schlafwagentempo, da wo Sprints angesagt gewesen wären und Fehlpässe en masse. Zum Glück für die Schwarz-Gelben zeigte Lucas Barrios seine Knipserqualitäten. Für solche Tore hat man ihn eingekauft und 4 Tore in den gut 8 Wochen seiner Anwesenheit auf dem für ihn neuen Kontinent sind ein Anfang. Freilich erzielte er 3 davon im Pokal, aber der wird bei der einzig realistische Weg zur Erfüllung von europäischen Träumen sein.
Mit dieser spielerischen Leistung muss man sich trotz der wichtigen 3 Punkte in Mönchengladbach Sorgen um den BVB machen. Erstaunlich finde ich die Aussagen von Trainer Jürgen Klopp nach den Spielen. Er redet die Mannschaft aus meiner Sicht deutlich besser, als sie sich tatsächlich präsentiert. Selbstvertrauen beizubehalten ist schön und gut, solange nicht schlechte Leistungen einiger Starkgeredeter zu lange mit durchgezogen werden. Ich kann mir dauerhaft nicht vorstellen, dass ein Sven Bender einen Sebastian Kehl ersetzen kann. Mats Hummels hat mir dort besser gefallen und Felipe Santana hat auch nicht mehr Böcke geschossen als Stammnebenmann Subotic. Markus Feulner war in der letzten Saison einer der überragenden Spieler der 2. Bundesliga. Von einer Krise bei Feulner kann man anhand fehlender Spieleinsätze auch gar nicht sprechen. Ich hoffe auf eine Chance für ihn, zumal er auch zur Not alle 4 Positionen in der Mittelfeldraute spielen könnte.