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Nigeria – Halbfinale ist Pflicht

Mit ca. 140 Mio. Einwohnern ist Nigeria der acht bevölkerungsreichste Staat der Erde. Der südlich an die Sahara grenzende Norden ist muslimisch geprägt, wobei der durch das Nigerdelta grüne Süden überwiegend von Christen bewohnt wird. Innenpolitisch häufig ein Grund für Streitigkeiten, aber die Super Eagles, die nigerianische Nationalmannschaft, wird leidenschaftlich von allen Bewohnern angefeuert.

Einen großen Anteil am Bruttoinlandsprodukt hat Erdölproduktion, welche aber keinen nachhaltigen Wohlstand für das größte Volk Afrikas brachte. Die Probleme lagen an dem ständigen Wechsel von Militärherrschaften, die Repression und Korruption begünstigten. Immer wieder geraten in Explosionen endenden Anzapfversuche der Öl-Pipelines in den Mittelpunkt. Noch zu Weihnachten 2006 fielen etwa 1.000 Menschen einer Explosion zum Opfer.

Da man zur Unabhängigkeit von der britischen Kolonisation im Jahre 1960 einen Abschied von der Commonwealth-Flagge hin zu einer gänzlich eigenen wollte und zunächst nicht einig war, schrieb man einen Wettbewerb aus.

Durch seine schlichte Kreation eines Dreierbanners mit kräftigem Grün und Weiß im Zentrum konnte damals Michael Akinkunmi 100 Pfund einstreichen und die Annalen der Geschichte seines Landes eingehen. Das Grün steht für die Landwirtschaft, die den Grundfundus des Landes darstellt und Weiß für Frieden und Einheit.

Im Fußball baute man ausschließlich auf erfahrene europäische Trainer wie Jo Bonfrere oder Bora Milutinovic, ab 2005 versuchte man es bei starker Fluktuation, unterbrochen von einer gut einjährigen Amtsperiode des Berti Vogts, auf einheimischen Übungsleiter.

Trotz eines mit Platz 3 ordentlichen Abschneidens beim diesjährigen Afrika-Cup tauschte man Ende Februar noch ein Mal auf dieser Position. Mit dem 61-jährigen Lars Lagerbäck, der lange Zeit mit Schweden erfolgreiche Arbeit ablieferte, entschied sich der teilweise chaotisch geführte nigerianische Verband für einen sehr erfahrenen und disziplinliebenden Coach. Alle im Land erwarten von ihm, dass er die Super Eagles um die Stars John Obi Mikel (FC Chelsea), Aiyegbeni Yakubu, Joseph Yobo (beide FC Everton) und Taye Taiwo (Olympíque Marseille) mindestens ins Halbfinale der WM bringt. Zumal man sich auf dem schwarzen Kontinent durch den Heimvorteil beflügelt sieht.

Prognose: Der Druck auf das Team ist enorm. Lars Lagerbäck kann aber derjenige sein, der die Kräfte bündelt und die Super Eagles durch die Vorrunde bringt. Das Team hat durch die vielen Legionäre einen eigenen Zusammenhalt und Stolz entwickelt, wenn sie für ihr Land auftreten. Aber ohne hoch disziplinierte Auftritte gegen die ebenfalls gut organisiert auftretenden Griechen und Südkoreaner wird man alles andere als eine Garantie für Erfolg haben.

Das Spiel gegen Argentinien könnte ein Festival der Offensivkräfte werden. Wie bei den meisten Teams südlich der Sahara ist die Offensivabteilung die stärkste Waffe und gleichzeitig die größte Gefahr. Insgesamt sehe ich ein enges Rennen um den 2. Platz in der Gruppe hinter Argentinien, wobei Nigeria von den Einzelkönnern her die besten Chancen haben dürfte.

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