Südafrika – Der Gastgeber
Die Republiek van Suid-Afrika, wie Südafrika in der Landessprache Afrikaans heißt, ist ca. 3,5 mal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Den kolonialen Einfluss aus den Niederlanden (vor allem durch die Buren) und von den britischen Inseln erkennt man noch in weiten Teilen des normalen Lebens, wie z.B. in den Amtssprachen Englisch und Afrikaans, den meisten Städtenamen und der durch und durch christlichen Religion des Volkes.
Die weißen Kolonialisten von einst trugen ihre Rassendiskriminierung bis ins Jahre 1994 durch das System der Verachtung Nichtweißhäutiger, die Apartheid, bis zum endgültigen Ende im Jahre 1994. Dies brachte Südafrika nicht nur politisches, sondern auch sportliches Abseits. Seit den 70er Jahren war es jedem Sportler untersagt an einem Sportevent in Südafrika teilzunehmen. Wer dagegen verstieß, wurde vom Internationalen Olympischen Kommitee suspendiert.
Ein sorgenfreies Leben beschert das Ende des rassistischen Systems dennoch nicht allen. Die Kriminalität, besonders in den Armenvierteln der Großstädte, in den Townships, bekommt die Regierung in Pretoria (Sitz der Exekutive) bzw. Kapstadt (Sitz der Legislative) nur schwerlich in den Griff. Ein Grund dafür liegt auch darin, geeignete und vor allem gesunde Männer für die Sicherheitskräfte zu rekrutieren. Die Auswirkungen sind ungeahnt drastisch: Mehr als jeder Fünfte im sexuell aktiven Alter ist HIV-positiv. Die Lebenserwartung in Südafrika ist von ca. 65 Jahren im Jahr 1990 auf etwa 43 in 2005 gesunken. Gründe hierfür sind schlechte Aufklärung, das niedrige Durchschnittsalter beim ersten Geschlechtsverkehr und die hohe Quote der Frauen, die gegen ihren Willen zum Sex gezwungen werden. So muss das Gastgeberland Polizeikräfte aus Nachbarstaaten rekrutieren um die Aufgaben der WM 2010 zu bewältigen. Im Nachbarland Swasiland braucht man erst gar nicht nachzufragen. Dort liegt die Quote der Infizierten bei ca. 40%. Unvorstellbar!
Die Flagge der Republik Südafrikas hat sich in den vergangenen 130 Jahren mehrfach verändert. Sie war jedoch stets geprägt durch Farben und Symbole der niederländischen oder britischen Kolonialisten. Nach Ende der Apartheid einigte man sich dann im Jahre 1994 auf eine farbenfrohe Flagge, die mittlerweile bei allen Menschen, ungeachtet der Hautfarbe geachtet wird. Ein liegendes grünes “V” geht in einen Strich über, was den Weg zur nationalen Einheit symbolisieren soll. Das Grün steht für die Landwirtschaft, das Rot im oberen Teil symbolisiert das vergossene Blut der Befreiungskämpfe, das Blau im unteren Teil die Ozeane und das links gelegene Schwarz die schwarze Bevölkerung. Die weiße Bevölkerung spiegelt sich in der weißen Umrandung des “Vs” wieder und die gemischte Bevölkerung im Gold.
Sportlich gesehen war Südafrika, wie bereits erwähnt, lange Zeit isoliert und litt auch intern an den Auswirkungen der Apartheid. Mit dessen Ende wurden Sportveranstaltungen wieder international. Am 7.7.1992 in Durban kehrte Südafrikas Fußball-Nationalteam mit einem 1:0-Sieg gegen Kamerun auf die internationale Bühne zurück. Die Bafana Bafana-Boys, wie die Fußballnationalmannschaft genannt wird, konnte bereits im Jahre 1996 mit dem Gewinn der Afrika-Meisterschaft einen großen Erfolg erzielen.
Man qualifizierte sich zwar für die WM 1998 und 2002, aber 6 erreichte Punkte reichen nur für Platz 50 in der ewigen Tabelle der Weltmeisterschaften. Als Gastgeber war man direkt für die Endrunde qualifiziert. Gegen Frankreich ist man im Gruppenspiel der klare Underdog. Abzuwarten bleibt der mögliche Push durch das Gefühl des Stolzes im Heimatland eine WM austragen zu dürfen. Beim Confed Cup 2009 lieferte man sich im Kampf um den 3. Platz gegen Spanien ein packendes Duell und unterlag nur unglücklich 2:3. Zieht eine WM-Begeisterung afrikanischer Ausmaße ein, ist Vieles möglich. Ein Sieg gegen Uruguay und auch im Auftaktspiel gegen Mexiko erwarten die Südafrikaner von ihren Jungs. Scheitert man gegen die generell höher einzustufenden Mexikaner, kann das emotionale Momentum auch nach hinten los gehen.
Prognose: Es geht nach hinten los und man wird sich eine Niederlage gegen Mexiko einfangen. Der Druck im folgenden Spiel wäre dann schon enorm. Es riecht nach dem Ausscheiden in der Vorrunde.